Von Ferry Porsche ist das Zitat überliefert: "Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein." Das ist bei näherer Betrachtung romantischer Unsinn - gemeint ist wohl, dass zu den stärksten Triebkräften der Menschheit der ewige Drang nach dem Höher-Weiter-Schneller zählt. Und automobile Sehnsuchts-Objekte waren und sind Manifestationen von Bewegungsfreiheit, Distinktionsgewinn, Bequemlichkeit und Rasanz.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Ich würde ja glatt auch den Nutzwert maschineller Fortbewegung hineinrechnen wollen - dann sieht die Gleichung für Sportwägen gleich wieder anders aus. Ferry Porsche hätte es, zumal als Sohn des legendären Firmengründers Ferdinand, besser wissen müssen: Der erste "Volkswagen" war ein politisches Projekt der Nationalsozialisten ("Kraft durch Freude"), gebaut hat man dann jahrelang Panzer. Insofern ließe sich Porsche ohne Bedenken korrigieren: Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Lastwagen sein. Mit gut Glück kein Truppentransporter.

Wie kommt man auf solche Überlegungen? Nun, ich bin gerade in einem fabriksneuen Fahrzeug mit unbestreitbarem Nutzwert unterwegs. Ich teste ja ungebrochen gerne Autos, allein, weil ich die Möglichkeit, das zu tun, für einen Hoffnungsschimmer für eine lust- und freudvolle Zukunft halte. Noch hat die Menschheit der Idee der individuellen motorisierten Mobilität nicht abgeschworen (wiewohl sie gerade anfällig dafür scheint) - und die Industrie müht sich mit hoher Schlagzahl ab, sich radikal neu zu erfinden. So sind viele Modelle (gar schon die Mehrzahl?), die gerade konstruiert und gebaut werden, Elektroautos; auch Porsche kann sich der Dynamik des Umbruchs nicht entziehen. Ob all die Neo-Sportwägelchen, Strom-SUVs und E-Luxuskarren wirklich eine Zukunft haben, Stichworte: Rohstoff- und Energie-Ressourcen, ist dennoch fraglich. Was sich abzeichnet, ist eine ungute Entwicklung: hie die in vollbesetzte Bahnen und Busse gedrängte Plebs (so sie nicht am Fahrrad strampelt), da freie Spur für Millionäre, Diplomaten, VIPs und sonstige Privilegierte. Das kann nicht lange gut gehen.

Das Auto, das ich gerade teste, ist ein Mercedes EQV. Ob das ein Fortbewegungsmittel ist, das eher auf der Luxus-Seite daheim ist als auf jener der Nutzfahrzeuge, darüber ließe sich streiten. Es kann locker acht Leute transportieren, und ihr Gepäck passt zusätzlich in den Kofferraum. Vollbesetzt ist man, weil zeitgeistkonform, effizient und bequem zugleich, auf der ideologischen Überholspur unterwegs. Dass von den "348 Kilometer elektrisierenden Möglichkeiten" - dieser Werbespruch prangt groß an der Flanke des Testfahrzeugs - in der Realität trotz Vollbetankung gerade 280 Kilometer bleiben (vielleicht, weil tiefster Winter ist?), nimmt man gelassen hin.

Sofern man nicht, wie ich gestern, bei einer 47-KW- bzw. 50-KW-Stromtankstelle der EVN am Rand des Hauptplatzes von Hollabrunn zu stehen kommt. Und nur mit
11 KW laden kann. Grund: unbekannt. Der Bordcomputer verkündete eine Ladedauer von 6 Stunden 42 Minuten, Kosten: 60 Euro. Es ging dann doch rascher. Der Weg in die Zukunft ist mit guten Absichten, kleinen Hindernissen und pragmatischen Abenteuern gepflastert.