Neulich bezeichnete FPÖ-Chef Herbert Kickl die Regierung als "Falotten", die sich "ihr eigenes Grab schaufeln"; das Begräbnis der "schönen Leich" wolle er nicht verpassen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Dass Politiker so schimpfen, ist erschütternd, da hilft auch nicht das Argument: So redet eben ein Oppositionspolitiker auf einer Kundgebung. Man fragt sich, ob die Verrohung der Sprache noch gesteigert werden kann.

Hier möchte ich Kickls Aussagen in sprachlicher Hinsicht abklopfen. Beginnen wir mit dem Wort Falott, dessen Herkunft lange Zeit strittig war. Der von den Nazis geförderte Sprachwissenschafter und Dialektologe Eberhard Kranzmayer, dessen fachliche Kompetenz freilich außer Streit steht, leitete das Wort von italienisch "fa lotto" ab: Er spielt Lotto anstatt zu arbeiten. In diesem Fall hat sich Kranzmayer wohl geirrt.

Denn heute wird das Wort auf "duden.de" von einem älteren französischen Ausdruck "falot" plausibel abgeleitet. Als Bedeutung des Ursprungsworts wird angegeben: "komischer, belustigender Mensch". Es dürfte auf das englische "fellow" zurückgehen, eigentlich Partner, Gefährte, Teilhaber. Im Deutschen ist es zu einer Bedeutungsverschlechterung gekommen; der Duden vermerkt den heutigen Wortsinn so: "österreichisch für Gauner, Betrüger". Daneben gibt es laut Duden auch eine feminine Form: "Falottin: Gaunerin, Betrügerin". Wenn man sich an den Duden hält und das generische Maskulinum nicht wahrhaben will, dann hätte Kickl also nur die männlichen Regierungsmitglieder beschimpft, nicht auch die Ministerinnen und Staatssekretärinnen.

Die Wendung "sich selbst das Grab schaufeln" ist recht alt und im gesamten deutschen Sprachraum in Gebrauch. Gemeint ist: an seinem eigenen Untergang arbeiten. Im Französischen gibt es eine ähnliche Wendung: rouler à tombeau ouvert (auf das offene Grab zufahren). Als typisch österreichisch gilt "eine schöne Leich". Es ist eine Eigentümlichkeit unseres Sprachgebrauchs, dass in diesem Fall nicht der Leichnam gemeint ist, sondern das Leichenbegängnis, und zwar ein prächtiges, ein ehrenvolles, mit Musik und anschließendem Leichenschmaus, ein Wort, das im gesamten deutschen Sprachraum bekannt ist. FPÖ-Chef Kickl stolpert hier also über die Metaphern: Er will "das Begräbnis des schönen Begräbnisses" nicht verpassen . . .

Die Verwendung im Sinn eines Leichenbegängnisses ist ab dem
17. Jahrhundert belegt: zu Ehren des Toten mit seiner Leiche gehen. Das Wort war ursprünglich im gesamten deutschen Sprachraum in Gebrauch, heute kennt man es nur noch in Österreich und in Bayern. Ein Wienerlied, das Michael Heltau mit großem Erfolg dargeboten hat, enthält die Zeile: "I brauch kan Pflanz, i brauch kan Glanz, i brauch ka schöne Leich / i komm auch ohne Kranz genauso gut ins Himmelreich."

Vielleicht hat Kickl "eine schöne Leich" mit einer "g’schminkten Leich" verwechselt. Wenn die Metapher in einer Werkstatt oder bei einem Autokauf fällt, ist Vorsicht geboten. In diesem Fall ist im übertragenen Sinn "Leichnam" gemeint: ein geschönter, aber nur notdürftig hergerichteter Gebrauchtwagen, der teuer angeboten wird.