Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Schon seit ewigen Zeiten ist mir das nicht mehr passiert, aber neulich, da habe ich nach zweieinhalb Tagen Arbeit an einer Übersetzung aus dem Englischen irgendwo auf meiner Tastatur unabsichtlich eine Taste gedrückt, und die ganze Arbeit war weg. Nur der Vorspann des Textes, den ich am ersten Tag abgespeichert hatte, war noch da: Mit allen Tippfehlern und dieser deprimierend gähnenden Leere dahinter.

Ich war mit dieser Arbeit bereits in Verzug: Zuerst war es Faulheit, und dann hatte ich eine gute Ausrede, denn unsere Familie hält derzeit bei einem Stand von 3:2: Die beiden Töchter waren intensiv mit Omikron beschäftigt, während wir drei anderen sie pflegten und ansonsten unseren Tätigkeiten nachgingen.

Omikron ist in unserer Familie etwas weniger wohlerzogen als im Haushalt von Freundin E. Dort hat das Virus alle zugleich überfallen, und, abgesehen von Fiebrigkeit bei den Jüngsten, sind bei den Erwachsenen nur Schnupfen, zeitweilig Kopfschmerzen und Laschheit aufgetreten. Familie E. hat das Ganze bald hinter sich. Bei uns könnte es sich noch ziehen. Wenn man versetzt erkrankt, ergibt das Verzögerungen. Ich kenne eine Familie, die zu dritt fast einen Monat gebraucht hat, bis wieder alle aus dem Haus gehen konnten.

Ein befreundeter Arzt meinte, es gebe eben nicht "das Virus, das genau so oder so auftrete". Vielmehr reagiere jedes Individuum unterschiedlich auf die Zumutungen des ungebetenen Gastes. Bei uns zeitigte Omikron Fieber jenseits von 38 Grad und Gliederschmerzen, die man sogar eher als heftige Weichteilschmerzen beschreiben könnte. Aber heute, nach drei Tagen im Bett, verbrachten die Töchter den Vormittag vor dem Fernseher. Wir sind also wieder auf dem Weg der Besserung. Sind wir das tatsächlich?

Mein Sohn wirkte beim Mittagessen etwas bleich und ich selber habe, abgesehen von Kopfschmerzen, leicht erhöhte Temperatur. Aber wer weiß, vielleicht hat man immer Temperatur, wenn man nach einem pikanten Mittagessen hinter der Scheibe in der Sonne sitzt? Früher hätte ich meine Temperatur nicht gemessen ... Wir testen auch andauernd, im "Wohnzimmer" und in der Teststation. Aber bis dato bleibt es beim 3:2.

Als meine Übersetzung in der Weite des World Wide Web zerbröselt war, dachte ich, ich implodiere gleich mit. Dann aber setzte ich mich hin und sah, dass die Sache beim zweiten Mal viel schneller ging. Peinlich war, dass ich mir die Vokabeln, die ich beim ersten Mal nachgeschaut hatte, fast zur Gänze nicht gemerkt hatte. Den Kindern sage ich immer, man muss mit dem Kopf bei der Sache sein. Ich habe da recht, das weiß ich. Schließlich habe ich ja auch meine Übersetzung in die virtuelle Welt geschossen, weil ich an Gott-weiß-was gedacht habe.