Irene Prugger, geboren 1959, lebt als Schriftstellerin und freie Journalistin in Mieming, Tirol.

Irene Prugger, geboren 1959, lebt als Schriftstellerin und freie Journalistin in Mieming, Tirol.

Die Neujahrsvorsätze im Freundeskreis waren konventionell egozentrisch: mehr Sport, gesünder essen, mehr verdienen, schöne Reisen ... Dann sagte jemand: "Bäume pflanzen als Zukunftshoffnung und wegen des Klimas!" Das klang vorbildlich geerdet und ich dachte an meine eigene Baumpflanzbilanz: Bisher fünf Stück, mehr war aufgrund der mir zur Verfügung stehenden Bodenfläche nicht möglich. Den kleinen Verdienst machte ich wieder zunichte, als ich bei einer Almrodung mindestens ebenso viele Baumsprösslinge ausriss.

Die vielen Bilder Bäume pflanzender und umarmender Politiker vermitteln zwar den Anschein, als wäre die Welt ohnedies schon genug be- und gepflanzt, aber so ist es nicht. Ein Mensch verursacht in unseren Breitengraden etwa neun Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Um den Verbrauch eines Menschenlebens zu neutralisieren, wäre die Lebensleistung ausgewachsener Buchenwälder nötig. Unmöglich, das selbst in die Hand zu nehmen. Aber man kann sein grünes Gewissen auch beruhigen, indem man Unternehmen unterstützt, die sich für Aufforstungsprogramme einsetzen.

Ständig mehr zu konsumieren und auf diese Weise ein bisschen zu kompensieren, ist natürlich ein Holzweg. Aber es gibt sinnvolle Projekte wie die ökologische Suchmaschine "Ecosia", ein Social Business, das für Klicks Bäume setzt. Im Sudan etwa wird mit Senegal-Akazien auf 80 Hektar Fläche vor allem den Frauen ein wichtiger Zuverdienst durch das aus den Bäumen gewonnene Gummi arabicum ermöglicht. Vor Beginn der Regenzeit werden die Setzlinge kostenlos an Kleinbauernfamilien verteilt.

Das spornt dazu an, ganze Klickwälder aus Klickbäumen zu pflanzen. Ein Klick ein Baum - hunderte Klicks ein Wald, so funktioniert das natürlich nicht. Das Unternehmen investiert 80 Prozent des Gewinnes in Baumpflanzungsprojekte. Auf alle Nutzer gerechnet braucht es rund 45 Suchanfragen für einen Baum, inklusive Klicks auf die Anzeigen. Das mindert die gute Sache nicht und weckt in der motivierten Forstarbeiterin im Homeoffice den Wunsch, das Modell auszudehnen: Wo Bagger den Regenwald knicken, könnte man junge Bäume klicken und mit bloßem Fingertippen Wüstendünen begrünen!

Leider können Aufforstungsprogramme den Klimawandel nicht stoppen, höchstens die Kipppunkte im Klimasystem nach hinten verschieben. Dabei zeigen sich bereits im Ansatz die Schattenseiten schnellwüchsiger junger Wälder. Denn laut Experten sterben die durch den Klimawandel noch rascher wachsenden Bäume auch jünger und geben dann den Kohlenstoff wieder ab.

Aber man kann nicht schon beim Pflanzen an den Tod eines Baumes denken. Und so will ich heuer nicht nur digital, sondern auch in meinem Umfeld einem Bäumchen eine Chance geben. Ich weiß nur noch nicht wo und welche Sorte. Aber bis zum Frühling ist ja noch Zeit!