Der Fernsehsender ABC hat Whoopi Goldberg wegen umstrittener Aussagen zur Shoa für zwei Wochen als Moderatorin suspendiert. Die beliebte Schauspielerin sagte in "The View", bei der Judenvernichtung sei es "nicht um Rasse" gegangen, sondern um "Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber Menschen". Als Teilnehmer der Diskussionsrunde widersprachen und anführten, die Nationalsozialisten hätten aufgrund eines rassistischen Weltbildes Juden sowie Sinti und Roma verfolgt, sagte Goldberg, das seien "zwei Gruppen weißer Menschen". In der Sendung ging es um die fragwürdige Entscheidung eines Schulbezirks im US-Bundesstaat Tennessee, den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Holocaust-Comic "Maus" aus Schulbibliotheken zu verbannen, weil er Schimpfwörter und eine Nacktszene enthält.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Zurück zu Whoopi Goldberg, die sich ja einen jüdisch klingenden Künstlernamen zugelegt hat und von den Nürnberger Rassengesetzen schon etwas gehört haben sollte. Sie empfindet Rassismus als die Diskriminierung der Schwarzen durch Weiße; eine nicht ungewöhnliche Sicht in den USA, man denke nur an die Kampagne "Black Lives Matter" - sie ist entstanden, als Afroamerikaner von weißen Polizisten erschossen wurden.

Der Chef der Anti-Defamation League, Jonathan Greenblatt, twitterte, beim Holocaust sei es um die "systematische Vernichtung" der Juden gegangen, die von den Nationalsozialisten als "minderwertige Rasse" angesehen wurden. Goldberg entschuldigte sich schließlich "für den Schmerz", den sie verursacht habe. "Jüdische Menschen in aller Welt hatten immer meine Unterstützung, und das wird so bleiben." Sie zitierte Jonathan Greenblatt und meinte: Anstelle zu sagen, beim Holocaust sei es nicht um Rasse, sondern um Unmenschlichkeit gegangen, hätte sie sagen müssen, es ging um beides.

Als die öffentliche Diskussion um die Aussagen der Schauspielerin hochkochte, musste ich daran denken, was ich an dieser Stelle vor rund acht Jahren geschrieben hatte: "Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die genetischen Unterschiede innerhalb einer ,Rasse‘ größer als zwischen den verschiedenen Rassen." Die moderne Wissenschaft lehne daher die Einteilung der Menschen in "Rassen" überhaupt ab. Der Fußballer David Alaba ist nach seiner Nationalität zweifellos ein Österreicher, sein Vater stammt aus Nigeria, seine Mutter von den Philippinen. Damals schrieb ich: "Nehmen wir einmal an, Alaba würde mit einer Frau der ,weißen Rasse‘ ein Kind in die Welt setzen. Zu welcher ,Rasse‘ würde dieses Kind gehören?" Inzwischen hat Alaba einen Buben. Die Mutter ist eine Münchnerin, deren Vater ist Deutscher; über ihre Herkunft mütterlicherseits ist nichts bekannt. Ist egal.

Was bleibt, ist ein kleines Problem. Obwohl die Einteilung der Menschen in "Rassen" absurd ist, gibt es "Rassismus". Die rassistischen Ideologien der Vergangenheit wirken nach, so werden immer wieder Fußballspieler von den Rängen mit Schmährufen bedacht. Wir müssen beides unter einen Hut bringen: Es gibt keine Rassen, aber es gibt nach wie vor Menschen, die daran glauben und andere Menschen rassistisch beleidigen.