Andreas Wirthensohn, geb. 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Andreas Wirthensohn, geb. 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Ehrlich gesagt bedauere ich es gerade, dass ich schon verheiratet bin. Nein, nicht weil ich meiner Angetrauten nach reichlich Ehejahren überdrüssig geworden wäre. Die Liebe, die ist frisch und lebendig wie eh und je. Aber was bietet (oder in meinem Fall: böte) dieser Februar doch Gelegenheiten für ganz besondere, einmalige, unwiederbringliche, niemals zu vergessende Hochzeitstage! Gerade erst war es der 2.2.2022 und demnächst ist es sogar der 22.2.2022.

Ähnliche Glückszahlen finden sich erst wieder in einer Zukunft, die ich nur erleben werde, wenn ich mich einfrieren lasse: 11.11.2111 (ein tolles Datum für den Beginn des Karnevals am Rhein!). Oder der absolute Knallertag in exakt zwei Jahrhunderten: der 22.2.2222. Die ersten Buchungen auf den Standesämtern für dieses Datum sind vermutlich schon eingegangen, es sind ja nur ein paar Generatiönchen bis dahin. Und ich muss schon auch sagen: Wer an diesem Tag heiraten wird, muss einfach zu den Glückspilzen dieser Welt gehören - immer vorausgesetzt natürlich, dass es die Welt dann noch gibt.

Der Andrang bei den Standesämtern ist jedenfalls in diesen Februartagen groß. Das freut mich nicht nur für die trauten Paare, sondern ganz besonders auch für diesen leidgeplagten Monat. Denn laut einer aktuellen Erhebung gehört der kürzeste Monat des Jahres zu den unbeliebtesten. Noch schlechter schneiden nur der Jänner (Post-Weihnachts-und-Silvester-Blues) und der November (Totenmonat) ab, die werden lediglich von einem Prozent der Befragten präferiert. Den Februar dürfte vor ähnlicher Geringschätzung, ja böser Verachtung die bloße Tatsache schützen, dass viele jetzt schon das Licht am Ende des Wintertunnels zu sehen glauben. Noch 28 Tage, dann ist zumindest meteorologisch endlich Frühjahr.

Ich persönlich kann diesem Winterbashing überhaupt nichts abgewinnen, im Gegenteil, ich halte es wie die Muscheln: Monate ohne "r" im Namen sind für mich hochproblematisch, mitunter sogar unerträglich, während sich bei mir die Welt im September so langsam zu erhellen beginnt. Je kürzer die Tage, desto besser, und gegen Kälte und Schnee habe ich - anders als die meisten verweichlichten Deutschen - rein gar nichts einzuwenden. Her mit den Blizzards und der sibirischen Peitsche, dem eisigen "Böhmwind" und den Schneebergen.

Gut, dieser Februar ist eher lau geraten, aber ich glaube, dass das den vielen Eheschließungen geschuldet ist. Der Februar will eben diesmal ein klein bisschen Wonnemonat sein, ein wenig anbiedern beim gemeinen Volk. Ich bin nicht sicher, dass es gelingt, aber wenn er so weitermacht, hat er zumindest meine Zuneigung verloren. Und zwar endgültig.