Na, dann: Gratuliere! Sie sind etwas ganz Besonderes! Nicht persönlich, aber als Staatsbürger und -In. Sie leben nämlich in einer "vollständigen Demokratie". Sagt der jährliche Demokratie-Index des "Economist". Und zwar von 167 Ländern auf Platz 20. Yeah! Gleich hinter Mauritius aber vor Costa Rica. Gut, ja, wir waren schon mal besser (12. Platz vor neun Jahren), aber man beachte bitte: Politisch stecken wir seit zwei Jahren in einem Tiefdruckgebiet mit Ibiza-Video, Schredder-Affäre, Chat-Affäre Teil I, II, III tbc, weiteren Nachrichten des talentierten Herrn Thomas S., Seiten-, Rück- und Nachtritte, sowie ehemaligen Innen-, Finanz- und Justizministern, die in Skandale verwickelt sind wie sämtliche Ladekabel in meinem Haushalt. Und das alles immer wieder im Zusammenhang mit einer Partei, die seit 1986 in der Regierung sitzt und laut ihrem aktuellen Chef "kein Korruptionsproblem" hat. So betrachtet ist der 20. Platz nicht schlecht.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenwerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenwerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de

Das liegt an zwei Dingen: Erstens ist es rund herum noch viel beschhhhhheidener. Und zweitens haben wir Österreicher das unschlagbare Talent, die größten Problemfälle einfach ins Ausland abzuschieben. Nein, nicht über die Balkan-Route, sondern über die Silicon-Valley-Connection. Peter Thiel zum Beispiel. Der Mann hat nicht nur gescheiterten Volkstribunen wie Sebastian Kurz einen neuen Job gegeben, sondern auch SPÖ-"Talent" Laura Rudas. Dem seine Firmen sind also so etwas wie das Endlager österreichischer Politik-Hoffnungen.

Er selbst sieht ein bisschen aus wie der böse CIA-Killer im Film, vielleicht weil er auch sehr gerne mit Geheimdiensten zusammenarbeitet. Am liebsten als Monopol. Denn Wettbewerb sei etwas für Verlierer, sagt er.

Überhaupt hat er interessante Vorstellungen: Sein Traum ist eine Herrschaft von "genialen" Unternehmern. Nein, er meint damit nicht Richard Lugner, auch nicht Markus Braun und Jan Marsalek von WireCard, auch nicht Sigi "The Steuererklärerer" Wolf. Überraschung: Donald Trump. Den findet er gut. Logisch, war er doch schon 2009 der Ansicht, dass Freiheit und Demokratie einfach nicht zusammen passen.

Kurz gesagt: ein total netter Typ, gegen den sein Ex-Kollege Elon Musk wie ein briefmarkensammelnder, komplexbeladener, nerdiger Musterschüler aussieht. Und dieser Sympathieträger ist jetzt aus dem Facebook-Verwaltungsrat ausgestiegen.

Aber sicher nicht, weil ihm das Unternehmen zu demokratie-freundlich wäre.

Ja, solche Typen und Firmen haben die USA den 26. Platz im Ranking (hinter Chile) zu verdanken, weshalb sie nur noch zur Gruppe der "mangelhaften Demokratien" zählen.

Aber immer noch besser als Ungarn (58. Platz) , das damit hinter Ghana liegt. Vielleicht, weil dort - im Gegensatz zu Ungarn - aus Spitälern berichtet werden darf. Und wenn dann ein ungarisches Gericht ein Urteil fällt, dass nur die Leitungen der Spitäler entscheiden darf, wer sich in ihren Häusern aufhalten darf - oder nicht - dann, tja, dann gibt es zwei Tage später eine "Verordnung" der Regierung, die das Urteil einfach umgeht. So sieht es aus in der demokratisch mangelhaften Nachbarschaft. Und wie es auf Platz 148. (China) aussieht, kann man sich jetzt jeden Tag im Fernsehen ansehen.

Aber das ist ja nur Sport, hat nichts mit Politik zu tun.