Hans-Paul Nosko hat Rechts- und Staatswissenschaften studiert und lebt als Journalist und Glossist in Wien. 
- © Robert Newald

Hans-Paul Nosko hat Rechts- und Staatswissenschaften studiert und lebt als Journalist und Glossist in Wien.

- © Robert Newald

Unlängst, ich hatte gerade einen Fernsehbeitrag über die Ukraine gesehen, fragte ich mich, unter welchem Präsidenten Frankreich wieder in den militärischen Teil der Nato eingetreten war. Ein Blick auf Wikipedia ergab: 2009 unter Nicolas Sarkozy. Bei diesem stand dann noch zu lesen: geboren 1955, Größe 1,66 m. So, so. Exakt so groß wie Karl May also, fiel mir ein, dessen Körpermaß ich vor langer Zeit in einer der vielen Biografien aufgeschnappt hatte.

Vielleicht liegt es an der Art, wie in unserem Gymnasium Geschichte unterrichtet wurde, dass ich ein gutes Zahlengedächtnis entwickelt habe. Sieben - fünf - drei: Rom schlüpft aus dem Ei. 44 ante: Caesar wird ermordet. 375 post: Mit dem Hunnensturm beginnt das Mittelalter, 1492: Mit der "Entdeckung" Amerikas endet es auch wieder. Und so weiter und so fort. Die Zusammenhänge rund um diese markanten Daten der Weltgeschichte erschlossen sich uns im Unterricht hingegen nur recht unvollkommen. Aber immerhin, einige historisch markante Punkte hätten die meisten von uns benennen können: 1588, 1648, 1789. Das hat zwar mit Bildung nicht viel zu tun und mit Intelligenz noch viel weniger, aber es schafft ein bisschen Orientierung im Dickicht vergangener Jahrhunderte.

Und das ist ja die wohl wichtigste Aufgaben all der Zahlen, die wir im Laufe unseres Lebens abspeichern: die - oft trügerische - Hoffnung, ein wenig Ordnung in selbiges gebracht zu haben. Der Glaube daran, uns durch objektiv und exakt erscheinende Angaben in einer immer komplexer werdenden Welt zurechtzufinden und Menschen, Ereignisse oder Entwicklungen beurteilen zu können. Wir Journalisten sind ja Meister in der Disziplin, anderen Menschen ein paar Ziffern aufzutischen und damit Objektivität und Nachprüfbarkeit zu erzeugen. Und manchmal klappt das sogar. Je einfacher die Zusammenhänge sind, desto besser. Vor allem, wenn es um den direkten Vergleich geht.

Ein gut gealterter US-Mime ist auf den Tag genau um 25 Jahre älter als seine walisische Frau, die ebenfalls Schauspielerin ist: Das ist fix und wird auch immer so bleiben, solange ihre Ehe besteht. Oder: Austria Wien gewinnt gegen SCR Altach 2:0. Wer hat danach drei Punkte mehr in der Tabelle? So weit, so klar. Aber eine Sieben-Tage-Inzidenz von derzeit fast 2.500? Und vor einem halben Jahr lag sie noch bei 50. Helfen diese Zahlen beim Einordnen in eine komplexe Materie?

Um zu Sarkozy zurückzukehren: 1,66 Meter Körpergröße - da wissen Trivialpsychologen doch gleich, woran sie sind. Kleine Männer brauchen zum Ausgleich wichtige Positionen. War ja auch bei Karl May so, sonst wäre aus ihm nicht Old Shatterhand geworden, oder? Die Wahrheit ist: Präsident zu sein, hat nichts mit dem Körpermaß zu tun. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac maß 1,89 Meter. Übrigens auch eine Zahl, zum Festhalten, Einordnen oder wofür auch immer.