Der Frühling beginnt heuer früher. Der wird nämlich per Verordnung vorverlegt. Auf den 5. März. Heißt das, ich muss an dem Tag was Kurzärmliges anziehen, egal wie das Wetter ist? I wo. (Frühling, hallo? Nicht Sommer!) Außerdem ist das mit dem "Frühlingserwachen", von dem der Bundeskanzler und der Gesundheitsminister bei der Pressekonferenz am Mittwoch gesprochen haben, eine Metapher. Für . . . ja, was eigentlich?

Jedenfalls wird die Pandemie in zwei Wochen zwar noch nicht vorbei sein, aber dafür ist mit den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung im Wesentlichen Schluss. (Außer in sensiblen Bereichen und in Wien.) Jippie! Moment. Wenn man das Wort "Pandemie" durch "Brand" ersetzt und "nicht vorbei" durch "nicht gelöscht", klingt das irgendwie nimmer nach einer super Idee. Schließlich ist Feuer ansteckend. Wurscht. Wir haben immer noch die Impfpflicht. Auch wenn die keiner kontrolliert. Bald nicht einmal mehr die Kellnerin. Na und? Leben wir denn in einem Servierpersonal-Staat? (Okay, in Wien eh noch. Dort wird man das Erwachen verschlafen. Mit 2 G.)

Manche fordern sogar einen gesetzlichen Feiertag: den Tag der Österreichischen Einheit. Immerhin werden sich da die Geimpften mit den Ungeimpften wiedervereinigen. Ohne Maske und Sperrstunde. (Im Lokal, im Kino, beim Friseur . . .) Freedom-Day? (Nicht, dass die Regierung am 5. März eine Mini-Freiheitsstatue überreicht bekäme. Den Freiheits-Oscar.) Wohl eher der Zu-früh-Tag. Und wer wird sich jetzt noch impfen lassen? Anfangs hab ich also gedacht: San de wo ang’rennt? Doch dann hab ich Post gekriegt. Vom Stiftungsvorstand von Vier Pfoten. Der wollte Geld von mir für die armen Viecherln und hat sich schon im Voraus dafür bei mir umweltverträglich bedankt: "Als Dankeschön habe ich Ihnen Ihren persönlichen Kugelschreiber aus recyceltem Plastik beigelegt." Jö, auf dem Kuli steht ja wirklich mein Name drauf! (Will mich da wer bestechen?)

Und auf einmal hab ich alles kapiert. Mit den Öffnungen soll die Impfquote erhöht werden. In der Verkaufspsychologie nennt man diese Strategie Reziprozität oder "das Prinzip der Gegenseitigkeit". Mit kleinen Geschenken bringt man Kunden dazu, Dinge zu kaufen, die sie überhaupt nicht haben wollen. Das ist wie beim Chinesen. Man bekommt ein Glückskeks und gibt nachher mehr Trinkgeld, weil man sich verpflichtet fühlt, sich zu revanchieren. Und weil die Regierung es verabsäumt hat, ihrer Postwurfsendung zur Impfpflicht einen personalisierten Kuli hinzuzufügen, muss sie den Impfverweigerern notgedrungen die Freiheit schenken, damit diese den inneren Druck verspüren, sie wären dem Nehammer und dem Mückstein was schuldig. Und diesem Gecko im Tarnanzug. (So gut getarnt ist der auch wieder nicht. Ich hab ihn trotzdem im Fernsehen gesehen.) Und den Wiener Bürgermeister hat offenbar keiner eingeweiht. (Gönnt der Nehammer dem Ludwig keine höhere Durchimpfungsrate?) He, man hätte eine Ungeimpften-Lotterie veranstalten sollen! Sonst wäre noch Verknappung eine Möglichkeit gewesen. ("Nur noch zwei Impfdosen auf Lager." "Drei andere Ungeimpfte schauen sich diesen Impftermin zeitgleich an.")

Sollte der Psycho-Trick freilich wider Erwarten nicht funktionieren, dann sind wir zumindest mit der Durchseuchung schneller fertig. (Und? Wie viel hab ich Vier Pfoten gespendet? Nix, wieso?)