Es gibt einige Handbücher über das "richtige" Gendern, doch nur wenige befassen sich mit dem "genderneutralen Schreiben ohne zu gendern": Wie kann ich ohne Binnen-I, Schrägstriche, Unterstriche oder Doppelformen so formulieren, dass sich die Gender-Bewegten nicht beklagen?

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Deren Zielscheibe ist das generische Maskulinum; angeblich fühlen sich manche Frauen bei Pluralformen wie "die Leser" oder "die Abonnenten" nicht mitgemeint - weil man ihnen das mit einigen gefälschten wissenschaftlichen Studien seit Jahren einredet.

So gesehen wäre eine Renaissance von unverfänglichen Substantiven sinnvoll: "Zweitausend Menschen nahmen an der Demonstration teil." Dadurch wird die Doppelform "Zweitausend Demonstrantinnen und Demonstranten" vermieden. Ein Appell: Verwenden wir doch wieder öfter das Wort "Mensch"! Politiker quälen sich häufig mit einer langatmigen Floskel herum: "alle Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben ...". Das klingt furchtbar. Es ginge so einfach: "alle Menschen in Österreich ..."

"Zahlreiche Menschen" könnte mit "Leute" umschrieben werden, doch klingt dieses Wort umgangssprachlich, es kommt daher in Zeitungen kaum zum Zug. In der Alltagskommunikation ist der Ausdruck "Leute" hingegen gang und gäbe. In Sammelmails steht oft die Anrede: "Liebe Leute!" Gut gefällt mir auch "Hallo, ihr Lieben!" Wenn in einer TV-Diskussion eine Verbindung mit einer Person im Homeoffice hergestellt wird, ist häufig die genderneutrale Begrüßung "Schönen guten Tag in die Runde" oder "Hallo in die Runde" zu hören.

Nach meinem Gefühl gibt es aus Gender-Sicht größere Probleme als das generische Maskulinum, zum Beispiel das Indefinitpronomen, das unbestimmte Fürwort. Es ist aus grammatischer Sicht maskulin; in Relativsätzen wird dies deutlich: "Wer kennt persönlich jemanden, der aus der Ukraine geflüchtet ist?" Warum "der" und nicht "die"?

Oder die Demonstrativpronomen, die hinweisenden Fürwörter: Bei der Arbeit an einem Piatnik-Quizspiel - es heißt "Challenge Austria. Teste dein Wissen über Österreich!", Ende der Werbeeinschaltung in eigener Sache - wurde ich unversehens mit dem Thema konfrontiert. Ein Entwurf der Spielanleitung war im üblichen Stil verfasst: "Jener Spieler, der als Erster an der Reihe ist, wählt ein beliebiges Bundesland und stellt seine Figur auf das entsprechende Feld." Wirklich nur "der" und "seine"? Nicht auch "die" und "ihre"? Ich schlug eine revolutionäre Lösung vor: "Reden wir doch die Spieler direkt an, und zwar mit du!" Darauf hieß es: "Wir sind mit unseren Kunden immer per Sie!" Ich widersprach: "Wenn das Spiel ausgepackt und die Anleitung vorgelesen wird, ist doch davon auszugehen, dass die Anwesenden miteinander per du sind, oder nicht?"

Der von mir beabsichtigte Nebeneffekt war "genderneutrales Schreiben ohne zu gendern": "Wenn du als Erster an der Reihe bist, wählst du ein beliebiges Bundesland und stellst deine Figur auf das entsprechende Feld." Die direkte und persönliche Anrede, natürlich auch jene mit dem höflichen Sie, löst das Gender-Problem! Wenn es eines gibt...