Das wird wahrscheinlich eh niemanden interessieren (außer den Villacher Faschingsprinzen Fidelius LXVII. und seine Prinzessin Lisa I., die aber selbstverständlich nicht ihm, sondern sich selbst gehört), doch als Wienerin mit Migrationshintergrund, mit Kärntner Wurzeln, muss ich das unbedingt loswerden: Der Faschingsdienstag (und das ist kein Faschingsscherz; für Scherze sind die Zeiten zu ernst), der war heuer eine Woche zu früh dran.

Wieso? Hat sich da wer ein bissl verrechnet? Nicht direkt. Obwohl: Sollte die Fastenzeit nicht eigentlich 40 Tage betragen? Bis Ostern sind’s allerdings 46 Fastentage. (Moment: Fastentage. Und in der Nacht darf man voll reinhauen? Nein, das wäre der Ramadan.) Aha, an Sonntagen hat man offenbar fastenfrei. Macht wieder 40. Und warum hat der Faschingsdienstag dann eine Woche Verfrühung gehabt? Wäre jedenfalls erst am 9. März Aschermittwoch gewesen und würde man ohne Sonntagsruhe durchfasten, dürfte man erst am Ostermontag Eier pecken und den Osterschinken futtern. Na ja, dafür hätte der Villacher Fasching problemlos im Fernsehen ausgestrahlt werden können. Denn bekanntlich wurde der aus dem Programm genommen, weil fünf Tage vorher in der Ukraine diese "besondere Militäroperation" begonnen hat, was ein Euphemismus ist für "Friedensmission" und das wiederum für "Krieg". Und Lachen ist jetzt anscheinend verboten. Dabei war der ukrainische Präsident früher Komiker, hallo?

Stattdessen hat mir der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine "Universum"-Folge vorgesetzt, in der ein Puma irgendein Viech bis zur Unkenntlichkeit gefressen hat. Und als der mit seinem blutigen Maul in Großaufnahme in die Kamera geschaut hat, als wollte er als Nächstes über den Kameramann, Tschuldigung: die Kameraperson, herfallen, die die ganze Zeit lieber mitgefilmt hat, als dem Opfer zu helfen oder wenigstens die Tierrettung anzurufen, hab ich umschalten müssen. Wie, bitte, hilft es den Ukrainern, wenn ich an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide und mein Steak fortan nicht einmal mehr medium rare bestellen kann, sondern bloß noch well done?

Der ORF hat freilich nicht nur einen Bildungsauftrag (war die Puma-Szene eine Lektion in Darwinismus oder eine Allegorie, in der der Puma der Putin war?), der beschäftigt außerdem einen Unterhaltungschef. Und den kann man schwerlich auf Urlaub schicken, bis dieser kleine Mann mit dem großen Ego und den langen Tischen sagt (vermutlich wenn er endlich vor den Restln der Berliner Mauer steht): "Ich habe fertig." Drum hat man sich letzten Freitag plötzlich auf das Recht auf Eskapismus berufen und planmäßig die Castingshow "Starmania" gezeigt. Okay, die Arabella Kiesbauer hat sich in einleitenden Worten dafür quasi entschuldigt: "Bla, bla, bla, erschütternde Bilder, bla, bla, aber wir wollen Ihnen zu Hause anbieten, zwischen den bedrückenden Nachrichten im Stundentakt auch mal durchzuatmen." Als bekennende Gelegenheitseskapistin (wenn ich die Gelegenheit dazu habe, hau ich ab aus der Realität), bin ich total dafür. Jeder soll flüchten dürfen. Hm. Hätte man nicht schon am Faschingsdienstag auf Eigenverantwortung setzen können? Und vor dem Villacher Fasching einfach einen Warnhinweis einblenden? ("Die folgende Sendung enthält Szenen, die Ihre Stimmung heben könnten.")