Ich tue nichts. Ich starre die Wand an. Eine Art Lähmung hat mich ergriffen, eine Mattigkeit und Wurschtigkeit nahe gänzlicher Apathie, die sich aus den Nachrichten des Tages nährt. Jegliche der gewohnten beruflichen und privaten Verrichtungen erscheint mir im Vergleich dazu nichtig, nachgerade obszön in der Ignoranz der Geschehnisse rundum. Keine Lust auf irgendwas. Soll ich auch diese Kolumne absagen? Ich zucke mit der Schulter. Niemandem wäre damit geholfen. Aber die Wahrnehmung der eigenen Ohnmacht ist der vielleicht dunkelste Faktor in der Chronik der laufenden Ereignisse. Was bleibt, ist Eskapismus. Musik. Immerzu ist sie eine Fluchtmöglichkeit, ein positives Mirakel, ein Ort der Erholung und des inneren Friedens. Seltsamerweise gilt das sogar für wirklich depressive Stücke und Werke, wie etwa "Hoffnungslos", das am schlechtesten verkaufte Album in der langen Karriere von Wolfgang Ambros (mit dem ich mich dieser Tage sehr intensiv auseinandergesetzt habe, aus Gründen). Kaum ein Stück Musik, das letztlich nicht ein Quantum Trost enthielte.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Sie meinen, ich klänge zu pathetisch? Gewiss. Aber ich biege eh gleich wieder ab ins Konsumparadies. Wenn Waren wirklich einen Wert haben (und nicht nur einen Preis), dann den, uns das Dasein zu erleichtern. Oder es lustvoll zu bereichern. Nun gibt es Leute in meinem Leben, die mich doch einigermaßen kennen und behaupten, "die Dinge" - also physische, dingliche, nicht selten technische Objekte - lägen mir mehr am Herzen als "die Menschen". Könnte was dran sein. Aber es sind, selbst wenn sie von Robotern zusammengeschraubt werden, immer Produkte, die der Vorstellungskraft, dem Umsetzungswillen und dem Wunschkosmos von Mitmenschen entspringen. Die humanoide Spezies ist nicht bar jedes Talents.

Weit abgedriftet, Sportsfreund! Wo bleibt der Nutzwert dieser Zeilen? Was kann ich im Kontext musikalischer Entrückung empfehlen (während ich "I bin miad" von Ambros lausche)? Doch: Da fällt mir aktuell etwas ein. Weil es mir aufgefallen ist. Ab und zu tauchen neue Namen, Ideen, Produkte auf in der relativ überschaubaren Szene der HiFi-Anbieter. Sonoro etwa - bislang war die Marke eher für gehobene Küchenradios mit Design-Anspruch bekannt. Und plötzlich bauen sie in Neuss in Deutschland (oder doch eher in China?) auch Lautsprecher.

Nun sind Lautsprecher vergleichsweise herkömmliche HiFi-Produkte. Aber es soll Feinspitze mit gutem Hörvermögen geben, die ein Leben lang nach probaten Wiedergabegeräten suchen. Man kann dafür viel Geld ausgeben - und wird möglicherweise nie von der Ahnung verlassen, dass es noch eine Spur besser, realistischer, akkurater klingen könnte. Sofern das Budget nicht unbegrenzt ist, wird man also nach Produkten mit exzellentem Preis-/Leistungs-Verhältnis fahnden, die fast alles einlösen, was man sich erträumt. Und hier hätten wir so eines: die Sonoro Grand Orchestra. Um knapp zwei Tausender kenne ich wenige Lautsprecher, die mithalten können in punkto Anspruch, Verarbeitung, Vollmundigkeit und Stimmigkeit. Sollte man bei Gelegenheit, wie es so schön heißt in der Branche, antesten!

Ob jetzt gerade die Zeit ist, um solche Luxus-Produkte zu besprechen, weiß ich nicht. Aber wenn Eskapismus die einzige reale Fluchtmöglichkeit vor der Wirklichkeit ist, werden sie zur Lebensnotwendigkeit.