Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

"Mia ham’s ins Bier an Rausch nei do" - wie man aus einem alten Wirtshauslied des bayerischen Sängers Fredl Fesl weiß, beinhaltet Bier, anders als vielfach behauptet, nicht nur Wasser, Hopfen, Hefe und Malz ("Gott erhalt’s!"). Selbst streng nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, dessen erstmalige Erwähnung vom 4. März des Jahres 1918 übrigens einem Sitzungsprotokoll des - selbstverständlich - bayerischen Landtags zu entnehmen ist, sorgt es kraft seiner Wirkung bisweilen auch dafür, dass so mancher Konsument es zwar am Abend recht lustig hat, am Tag darauf allerdings: nicht.

Dass dies grundsätzlich auch für die ältesten unter den jüngsten Neuzugängen auf dem Nischenmarkt der Wiener Kleinbrauereien gilt, kann aufgrund biochemischer Gesetzmäßigkeiten vorausgesetzt werden. "Gebraut auf Erfahrung", wie es auf den entsprechenden Etiketten im modernen Craftbeer-Look heißt, soll im konkreten Fall aber ohnehin auf eine andere stille Zutat verweisen.

Dieses Bier wird nicht von frechen jungen Hopfen-Hipstern aus dem Start-up-Milieu, sondern als Freizeitprojekt einer Seniorenunterkunft in Wien-Atzgersdorf unter fachkundiger Anleitung von den Bewohnerinnern und Bewohnern hergestellt, abgefüllt und etikettiert - sowie mitunter getrunken. Immerhin tut ein "Prosit der Gemütlichkeit" manchmal auch dann noch not, wenn man die Erwerbstätigkeit vor gut und gerne zwanzig Jahren hinter sich gebracht hat und seiner (Neben-)Beschäftigung jetzt nur mehr aus heller Freude nachgeht. Im Zweifelsfall kann außerdem immer noch das Argument der unabdingbaren Qualitätskontrolle durch das Produktionsteam aus dem Ärmel geschütte(l)t werden. Alsdann, Freunde, zum Wohl!

Oma und Opa sollte man zwar nicht einfach so abfüllen, "Oma" und "Opa" hingegen schon: Das Bier gleichen Namens nach alter "Wiener Lager"-Tradition sowie die Hellen "Hellga" und "Hellmut" garantieren mehr als nur Trinkgenuss. Abgesehen davon, dass der Verkaufserlös des in den "Häusern zum Leben" um zwei Euro pro Flasche erhältlichen Kaltgetränkes am Ende buchstäblich wieder an die Bewohnerinnen und Bewohner zurückfließen wird, ist unter dem Motto "Malzmahlen statt Malen nach Zahlen" auch für Abwechslung zum althergebrachten Freizeitprogramm in Seniorenheimen gesorgt. Davon, dass dabei diverse Fingerfertigkeiten trainiert und neue Kompetenzen erlernt werden können, einmal ganz abgesehen. Sozial betrachtet wiederum kann behauptet werden, dass das Beisammensitzen nach einem Gemeinschaftsprojekt auch wesentlich sinnvoller ist als das "Beisammensein" im Fredl-Fesl-Sinn - das es freilich nicht ausschließt.

Ich selbst habe in Sachen "Oma" und "Opa" jedenfalls eine klare Meinung. Ehret das Alter! Ob in meiner Zeit im Seniorenheim Ganja-Workshops auf dem Programm stehen werden? Ich bleibe dran.