Seit dem 1. April ist klar: Russland nimmt nur noch Rubel für sein Gas. Knallhart. Und die EU sagt: Wir bezahlen in Euro und Dollar. Auch knallhart. Und jetzt? Lieferstopp? Wirtschaftskrieg? Gasboykott?

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28. Mai um 12 Uhr feiert er zehn Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28. Mai um 12 Uhr feiert er zehn Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.

Aber nein. Denn Russland hat einfach einen Wechselautomat an seiner militärisch hochgerüsteten Außengrenze aufgestellt. Ein Automat, genannt die Gazprom-Bank, der geschmeidig all die eingezahlten Dollars und Euros einfach in Rubel umwandelt. So kann man guten Gewissens weiter Gas einkaufen, ohne mit dem Gewaltverbrecher, Diktator und Kriegsverbrecher Putin persönlich in Kontakt zu kommen. Und weiter seine unumstößlichen Werte propagieren.

Und auch der Kriegsverbrecher im Kreml kann weiter sich seine Armee vom dekadenten, homosexuellen, verkommenen Westen bezahlen lassen, ohne dessen Geld er sich seine Großmachtpläne in die Pipeline stecken könnte.

Ach, wie praktisch! Könnten wir doch so eine Gazprom-Bank auch für immaterielle Werte haben, etwa für Menschenrechte.

Wir zahlen unseren unabänderlichen Glauben an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und auf der anderen Seite kommen Lob und und Anerkennung für das effiziente staatliche Management der kommunistischen Partei Chinas heraus. Das wäre doch wirklich praktisch. Ein Wertewandler als der Google-Translator der eigenen Überzeugungen. Ein geschmeidiger, technik-basierter Doppelagent des Gewissens.

Womöglich läuft aber sogar schon einer im Testbetrieb. In St. Pölten. Da gab es nämlich diese Woche ein Urteil. Über den Drahtzieher des Ibiza-Videos.

Sie erinnern sich? Das Ibiza-Video, ja... nach dessen Erscheinen hat Amnesty International festgestellt, dass drei Beamte der Polizei dafür abgestellt wurden, die Vorgänge zu ermitteln, über die der Vizekanzler der Unterhemden in dem Video geplaudert hat. 17 andere Beamte der Polizei aber sollen dazu dagewesen sein, Jagd auf die Ersteller des Videos zu machen.

Hoppala! Also 15 Prozent der Manpower geht in die Erforschung, wer wann wie sich bestechen hat lassen (Zitat: "Novomatic zahlt alle"), 85 Prozent aber konzentrieren sich darauf, den Menschen zu fangen, der die Zitate auf die Speicherkarte gebracht hatte.

Überraschenderweise ist es schließlich zur Anklage gekommen. Nein, nicht gegen die Novomatic, sondern gegen Julian H., den Filmproduzenten. Angeklagt nicht wegen schlechter Bildqualität oder fragwürdiger Getränke-Auswahl (Red Bull), sondern wegen etwas völlig anderem, das gar nichts, aber überhaupt nichts mit dem Video zu tun hat: eines angeblichen Drogendelikts.

Die zwei (!) Zeugen der Anklage haben sich zwar im Laufe des Prozesses mehrmals widersprochen, dafür hat einer von den beiden von einem Menschen, der früher mal für die Novomatic tätig war, 55.000 Euro erhalten. In Worten: Fünfundfünfzigtausend. Davon leben nicht wenige in Österreich ein ganzes Jahr.

Nicht die Novomatic natürlich, die braucht mehr, die "zahlt ja alle". Und trotz all dieser Seltsamkeiten wurde Julian H. (nicht rechtskräftig) verurteilt. Deshalb die Vermutung: Auch hier war ein Grundsatz-Modulator im Einsatz.

Da spricht man auf der einen Seite "In dubio pro reo" hinein und auf der anderen Seite, im Landesgericht St. Pölten, kommt "Schuldig" heraus.

Ach, wie praktisch!