Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Vor fünf Tagen hat ein Berserker auf der Baustelle im Nachbarhaus die A1-Kabel abgerissen bzw. eine Verteilerstelle ruiniert. Offenbar war das Kabel über den Dachboden zu uns herübergeführt worden. Diesen Dachboden hat der neue Eigentümer abreißen lassen, weil er dort nun eine Penthouse-Wohnung haben will. Der Quadratmeter, sagte mir unsere Vermieterin, wird 15.000 Euro kosten. Bei dem Preis ist ein abgerissenes A1-Kabel natürlich nicht der Rede wert.

Da in der jüngeren Vergangenheit bei uns das WLAN immer wieder einmal eine Weile pausierte, haben wir nicht gleich, als ich meine Mails nicht laden konnte, Alarm geschlagen. Diesmal aber dauerte die Flaute so lange, dass mein Mann W. doch bei A1 anrief. Der dort amtierende Herr R. wusste schon Bescheid. Er erklärte, alles sei kaputt, und am nächsten Morgen, das war der Freitag, sehe man weiter. Da sich bis zum Freitagnachmittag niemand bei uns rührte, rief W. noch einmal an.

Herr R. versicherte, dass er alles in seiner Macht Stehende getan habe, um den Schaden beheben zu lassen. Denn A1 mache solche Sachen nicht mehr selber, sondern beauftrage damit Subunternehmer. Dieser Subunternehmer wolle sich zu Wochenbeginn mit dem Kabel befassen, wann genau, könne man nicht sagen.

Meine Freundin I. meinte dazu, sie hätte das anders gemacht: "Ich habe eine Firma!", hätte sie ins Telefon gerufen. "Das geht nicht, dass ich da warte. Ich brauche das sofort!" Auf diese Weise schaffe sie es, dass man tue, was sie fordert. Ob ein solches Auftreten tatsächlich etwas genützt hätte, wage ich nicht zu sagen. Jedenfalls glaube ich nicht, dass Herr R. mit einer Flasche Wein zu korrumpieren gewesen wäre.

Da fiel mir ein, wie ich früher, als gerade das Faxgerät erfunden war, mit den Texten auf die Hauptpost gepilgert bin. Dort gab es eine öffentliche Fax-Stelle. Ich stellte mich mit meinen Texten in die Schlange, und ein Postbeamter faxte meine Glossen oder Fernsehkritiken in die Hauptstadt. Bald darauf hatte man selber ein Faxgerät ... und heute lachen meine Kinder bei der Erwähnung des Verbums "faxen". Ich kann mich selber kaum mehr erinnern, wie die Maschine ausgesehen hat.

Während meines gedanklichen Ausflugs zum Faxgerät wurde mir klar, wie mein WLAN-Mangel zu beheben ist. Ich werde also am Montag, falls Herrn Rs Bemühungen noch nicht von Erfolg gekrönt sein sollten, mit meinem Laptop ins Kaffeehaus gehen und mich dort einwählen: Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben im Kaffeehaus schreiben. Ich weiß, man müsste das stilgerecht mit Stift und Notizbuch tun. Aber dann bräuchte ich wieder einen blitzschnell reitenden Boten, der den Text nach Wien bringt ...