Der Treppenwitz alter Science-Fiction-Stoffe ist ja nicht selten: Ihr Erfinder hat das Geschehen einst weit in die Zukunft verlagert, aber diese Zukunft rückt immer näher. Oder wurde längst von der Gegenwart überholt. Die Jahreszahl "1984" etwa erscheint uns heute als glückliche Vergangenheit - sieht man vom Umstand ab, dass der Autor der gleichnamigen Dystopie, George Orwell, einfach die Ziffern des Jahres der Fertigstellung seines berühmtesten Romans umgedreht hat. Aus 1948 wurde so 1984, die Parabel ist eine zeitlose.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
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Trotzdem (oder deswegen) musste ich still seufzen, als ich unlängst die Geschichte von "Terminator" nachlas. Denn dieser erstaunlich wirkmächtige Film - Sie erinnern sich wohl an die Paraderolle von Arnold Schwarzenegger - wurde in genau jenem Jahr gedreht. Anno 1984. Und die Zukunft spielt im Jahr 2029. Das ist nicht weit von unserer Gegenwart entfernt. Dass der Plot eine Erde beschreibt, in der die Menschheit nach einem Atomkrieg weitestgehend ausgelöscht wurde und künstlich intelligente Maschinen die Macht ergriffen haben, wird nicht zum Seelenfrieden heutiger Zuseher beitragen.

Wo stehen wir aktuell? Die Roboter sind unter uns. Sie müssen nicht zwangsläufig wie potenzielle "Terminator"-Killer aussehen oder sich hinter camouflierenden Begriffsmonstern wie "autonome Waffensysteme" verstecken. Freundliche Blech- und Plastikhüllen, die nicht selten das humanoide Kindchen-Schema bemühen, machen die Spezies gesellschaftlich akzeptabel (um nicht zu sagen: herzlich willkommen!). Gut, die Aufgabenstellungen diverser Roboterklassen und -Typen unterscheiden sich essenziell; der Großteil der maschinellen Sklaven erleichtert unser Dasein. Diese Tatsachenfeststellung sollte uns aber nicht die Augen verschließen lassen vor der Erkenntnis, dass die computergestützte, vernetzte Steuerung und Automatisierung serviler Tätigkeiten und Fertigkeiten eine radikale Zeitenwende mit sich bringt. Wovon wir einst träumten - die Erledigung schweißtreibender, schwieriger oder zumindest mühevoller Arbeit durch Maschinen -, ist Realität geworden.

Vom Staubsaugerroboter bis zur KI-Flugdrohne, vom maschinellen Lagerarbeiter zum Laserchirurgen im Operationssaal, von der sich selbst weiterentwickelnden Software bis zum Pflegeroboter mit menschlicher Mimik und Gestik wächst das Maschinenheer. Der Mensch ist dabei - und das ist ein Satz mit der Sprengkraft vieler Atombomben -, sich unbemerkt selbst abzuschaffen. Dass man mittlerweile im Internet Mosaikbilder mit Ampeln anklicken muss, um zu beweisen, dass man kein Roboter ist, darf als Mikro-Fußnote des Fortschritts gelesen werden.

"Fully Automated Luxury Communism" nennt diese Vision der britische Journalist und Autor Aaron Bastani. Es ist aus seinem Blickwinkel ein Paradies: Maschinen erwirtschaften unseren Wohlstand, wir Wesen aus Fleisch und Blut können uns ungeniert den menschlichen Leidenschaften widmen. Freilich wird der Transitionsprozess - selbst, wenn alles so klappt, wie einst schon von Marx & Co. erdacht - noch Verwerfungen sonder Zahl mit sich bringen. Fragen Sie mal die Bankmitarbeiterin, die gerade ihren eigenen Job wegprogrammiert! Oder den Bankkunden, der mit natürlicher Intelligenz an der künstlichen seines Kontozugangs scheitert. Vom Ziegenhirten, der im Wüstenstaub verreckt, ganz zu schweigen. Warum bloß sind Zukunftsromane so selten fröhliche Utopien?