Bald ist Ostern, und damit dräut jenes Fest heran, das in unseren Breiten familientechnisch fast so schön ist wie Weihnachten. Nur nicht ganz so stressig. Schließlich gehört zu einem gelungen Ostern auch Eiersuchen dazu und der Osterspaziergang, das heißt: Man hat auch eine realistische Chance der Mischpoche zu entkommen. Zumindest, sich Luft zu machen. Denn in Garten, Wald und Wiese diskutiert es sich besser über die Schädlichkeit des Impfens, legitime russische Sicherheitsinteressen oder das Menschenrecht des Autofahrens und andere emotional unaufgeladene Themen, die sich in den letzten Monaten aufgestaut haben. Monaten voller Pandemie, in denen man die Anverwandten nicht sehen konnte. Jetzt geht es aber wieder, weshalb sich nicht wenige - angesichts der anrückenden Verwandtschaft - wohl nun fragen werden: "Warum sind wir nicht auch weggefahren?"

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28.5. um 12 Uhr feiert er 10 Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28.5. um 12 Uhr feiert er 10 Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.

Tja, die Familie kann man sich nicht aussuchen. Sagt man.

Der Wortstamm allerdings sagt etwas anderes. "Familia, lat. = Sklaven, Dienerschaft, Gesinde."

In diesem lateinischen Licht betrachtet, beginnt das Chat-Zitat (kann man das nicht abkürzen? Chitat? Zichat? Zat? Wäre praktisch, wird man doch einen knappen Begriff dafür im innenpolitischen Journalismus in den nächsten Jahren noch oft brauchen) vom Ex-Finanzminister: "Du bist eh Familie" in ganz neuem Licht zu erstrahlen.

Auch die oft von H. C. Strache und anderen Freiheitlichen strapazierten wolkigen Worte der "freiheitlichen Familie" kriegen bei den per SMS verteilten Einkaufszetteln (Kiste Moët & Chandon, Kaviar für 700 Euro, Hundefutter und Gummibärli) einen neuen Klang. Anders gefragt: Wo verläuft im Dritten Lager die Grenze zwischen Leibwächter und Leibeigener?

Und auch der aktuelle Bundeskanzler hadert hier möglicherweise mit begrifflichen Genauigkeiten. Wann zum Beispiel ist ein Personenschützer ein Beamter des Staates und wann ein Freund des Hauses? Wann beginnt sein Dienst, wann endet er? Und wie kriegt man eigentlich das Kunststück hin, bei einem Unfall mehrere Autos der Nachbarschaft zu beschädigen? Knallt man da im Zickzack wie eine Flipperkugel durch die Straße? Heißen die deshalb "Cobra", weil die gerne Schlangenlinien fahren? Singen die Kinder in der Straße jetzt "Es fährt ein Pitsch-Patsch-Personenschutz in unsrer Straße rum. Zackabumm"? Oder darf man Qualtinger & Bronner paraphrasierend weiter dichten und aus "Aber auch ein Polizeirat/ ist ein Mensch und ist verheirat‘" "Auch ein Personenschützer / ist ein Mensch und trinkt gern Spritzer" machen?

Man weiß es nicht. Trotz anonymer Schreiben, die ausgiebig im Parlament zitiert worden sind. Gerüchteweise soll der Autor aus der schlangenartigen Sicherheitsabteilung kommen. Möglich. Er könnte aber auch Getränkehändler sein. Oder Verkäufer von Vollkasko-Automobil-Versicherungen. Oder er war einfach angefressen, dass er nicht mittrinken durfte. Vielleicht, weil er gerade einen Anzug aus der Reinigung geholt hat?

Man sieht: Es ist ein kompliziertes Beziehungsgeflecht: Verwandtschaft, Gesinde, Personenschutz . . . : Was gehört wohin?

Können Sie ja jetzt zu Ostern diskutieren. Mit ihrer Familie.

Wer auch immer da dabei ist.