"Milons Tod", Skulptur von Pierre Puget im Louvre. 
- © Pierre Puget, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

"Milons Tod", Skulptur von Pierre Puget im Louvre.

- © Pierre Puget, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Die Bilder der ehemaligen Boxweltmeister gehen seit Wochen um die Welt: die Brüder Vitali und Wladimir Klitschko beschwören in immer neuen Videobotschaften den Durchhaltewillen ihrer ukrainischen Landsleute und zeigen sich dabei durchaus in martialischen Posen. Dass erfolgreiche Sportler ihre Popularität nutzen, um sich auch politisch zu engagieren und sogar in den Krieg ziehen, ist indes keine Erscheinung unserer Zeit.

Schon vor mehr als 2.500 Jahren lebte in Unteritalien ein Mann, der Olympische Geschichte geschrieben hat und mit sechs Siegen bei diesen prestigeträchtigen Bewerben einer der erfolgreichsten Athleten der Antike war: der Ringer Milon von Kroton. Über das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes berichten allerdings nur spätere Quellen, die in ihre Darstellungen immer neue Anekdoten einflochten, so wie der Reiseschriftsteller Pausanias, der im 2. Jh. n. Chr. Olympia besuchte und dort auch eine Statue Milons sah.

Er erzählte die Geschichte vom Granatapfel, den Milon so fest in der Hand gehalten haben soll, dass es niemandem gelang, ihm diesen zu entreißen. Oder von einem mit Öl eingefetteten Diskus, auf den er sich stellte und von dem ihn niemand hinunterstoßen konnte. Und schließlich die Sache mit der Darmsaite, die der Athlet dadurch zum Platzen brachte, dass er sie um seinen Kopf schlang, den Atem anhielt und die Stirnadern anschwellen ließ. Auch der übermäßige Konsum von mehreren Kilo Fleisch und Brot am Tag wurde immer wieder staunend betont, um sich die schier übermenschlichen Kräfte des antiken Schwerathleten zu erklären.

Immer wieder wird davon berichtet, dass Milon sich nach dem Ende seiner Sportlerkarriere aktiv am politischen Leben seiner Heimatstadt Kroton in Unteritalien beteiligte und in engem Kontakt zum dort lebenden Philosophen Pythagoras stand. Als es im Jahr 510 v. Chr. zum bewaffneten Konflikt mit der benachbarten Stadt Sybaris kam, machten die Krotoniaten Milon zu ihrem Kommandanten - und der ehemalige Spitzensportler führte sein Kontingent tatsächlich zu einem überragenden Sieg.

Das Ende fand der Nationalheld - und wieder sind wir im Land der Anekdoten -, als eine seiner Kraftproben tragisch endete: Angeblich wollte er einen im Wald gespaltenen Baumstamm, der mit Keilen auseinandergespreizt war, mit Körperkraft auseinanderreißen. Nachdem er die Keile entfernt hatte, wurde er aber eingeklemmt, konnte sich nicht mehr befreien und wurde von Wölfen (nach anderer Version von einem Löwen) gefressen.