Ich liege längs auf der Wohnzimmercouch und schau mir am Smartphone die Hausaufgaben an, die mir meine Fitnesstrainerin für nächste Woche aufgegeben hat, hauptsächlich deshalb, weil sie dann irgendwo weit weg ist und ich auch ganz woanders bin. Wake-Up Mobility heißt das unter Fachleuten. Da wird der Körper gedehnt und gestreckt und hochkonzentriert auf Niveau gebracht. Eine Anleitung für 15 Minuten Auf-Touren-kommen in der Früh. Passend für das Hotelzimmer, wo ich sein werde, beruflich natürlich leider nur, aber halt doch weg von daheim und weg von der täglichen Routine.
Ich bin ein absoluter Feind von der täglichen Routine. Genauso wie der legendäre polnische Reiseschriftsteller Ryszard Kapuscinski Schreibtische gehasst hat, weil er zeitlebens meinte, dass ein Schreibtisch ihn doch nur von all dem fernhält, was interessant ist und wert zu beschreiben, genauso hasse ich die tägliche Routine. Der Volkswirtschaft sei Dank bin ich in einem Arbeitsfeld gelandet, wo es quasi systemimmanent andauernd Abwechslung gibt. Ich kann keine tägliche Routine brauchen. Außer beim Turnen. Da kommt mir die Routine gerade recht.
Wake-Up Mobility funktioniert nämlich nur, wenn du das auch wirklich machst. Rein vom Schauen aufs Smartphone passiert recht wenig mit deinem Körper. Da wird gar nichts hochkonzentriert auf Touren gebracht. Und genau hier liegt das Problem.
Wenn ich mir zwei Mal die Woche fix einen Termin im Park oder beim Käfig am Kanal ausmache, dann flutscht das Turnprogramm wunderbar in meine tägliche Nicht-Routine rein. Aber sobald nur noch das Smartphone auf mich aufpasst, können die besten Vorsätze schnell aus dem Ruder laufen. Auf den Punkt gebracht: Im Hotelzimmer turne ich sehr gerne und ausgiebig, aber meist halt doch nur theoretisch.
Ich habe mir sogar die gute Springschnur ausgeborgt von der Trainerin. Falls ich frühmorgens im Hotel so angefixt bin von der ganzen Wake-Up Mobility, dass ich gleich auch noch runtersausen werde, raus vors Haus zum Seilspringen. Wie Muhammad Ali beim Training in diesem alten Schwarzweißfilm, wo auf seinem T-Shirt noch Cassius Clay draufsteht. So sehe ich mich beim Turnen, besonders beim gepflegten Springen mit dem Seil. Die anderen sehen natürlich ganz was anderes. Deren Problem, wenn sie keine Fantasie haben.