Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Nein, es ist wirklich nicht ganz einfach, in diesen mühseligen Zeiten zumindest halbwegs Optimismus und gute Laune zu bewahren. Das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, dass alles ins Rutschen und aus dem Lot geraten ist, bestimmt die Tage, und nichts meldet sich dringlicher als der Wunsch, einfach einmal wieder ruhige Zeiten zu haben.

Tage, an denen man nicht morgens aufwacht mit der bangen Frage, ob in der Nacht vielleicht Putin schnell sein ABC-Waffen-Arsenal über der Ukraine verstreut hat. Uff, nein, die Welt steht noch, aber halt, da ist ja auch noch Corona, dieses Virus, das angeblich schon wieder achtzig Mutanten am Start hat und offenbar noch überlegt, welche davon es uns als Nächstes auf den Hals hetzt.

Manchmal möchte man es mit der österreichischen Gesundheitsministerstrategie versuchen und den Bettel einfach hinwerfen (und dann natürlich ein Buch darüber schreiben), aber das geht irgendwie auch wieder nicht, man muss ja weitermachen, Gas, Strom, Butter, Salzstangerl, alles teurer, und in der Garage lagern zwar schon 50 Liter Sonnenblumenöl und 50 Kilo Mehl, aber ob das reicht, wenn’s wirklich ernst wird?

Was hat man früher über diese Prepper gelacht mit ihrem Survival-Fimmel und Apokalypse-Getue, und jetzt überlegt man selbst jeden Tag, ob zwei Taschenlampen wirklich ausreichen und ob man nicht doch endlich einen Gaskocher und ein Radiogerät mit Handkurbel und Solarpanel kaufen sollte. Immerhin, an Klopapier scheint es im Supermarkt gerade nicht zu mangeln, aber davon liegen noch hunderte Rollen von März 2020 im Keller. Immerhin haben die, soweit ich sehe, kein Verfallsdatum. Aber wer weiß schon, ob das nicht Fake News der Hersteller sind und uns das Ganze demnächst sozusagen unterm Hintern verrottet?

Man kann sich heute nirgends und bei nichts mehr sicher sein. Im einen Moment zum Beispiel scheint die Sonne und es soll über die zwanzig Grad gehen, Frühling halt, kurz davor hingegen noch Graupelschauer, typisch April. Oder doch nicht? Die Sonne ist so eigenartig schleierig umwölkt, gestern ging sie als riesiger roter Feuerball unter, und angeblich ist bald wieder Saharastaub samt Blutregen in der Luft. Vielleicht ist das ja der Klimawandel, den wir schon fast vergessen hätten, das nächste Katastrophenszenario, angesichts dessen man am liebsten gar nicht erst aufstehen würde.

Dann lieber im Bett bleiben also, da stößt man wenigstens kaum CO2 aus und richtet auch sonst keinen Schaden an. Und man hat viel Zeit, um darüber nachzudenken, ob jetzt die Welt oder die Menschheit oder Putin oder nur man selbst verrückt geworden ist.