Hans-Paul Nosko, früherer Hobbykicker, lebt als Journalist und Glossist in Wien. 
- © Robert Newald

Hans-Paul Nosko, früherer Hobbykicker, lebt als Journalist und Glossist in Wien.

- © Robert Newald

Ganz schön viel Fußball, was da derzeit im Fernsehen läuft. Champions League sei Dank. Natürlich: Man braucht ja nicht "in den blöden Kasten zu gucken", wie Loriot uns einmal erklärte. Aber da ich einst - sehr unterklassig, aber doch - selbst gekickt habe, besitze ich nun einmal eine starke Verbindung zum runden Leder.

Natürlich gibt es jede Menge Unterschiede zwischen dem, was wir damals taten, und den Spielen der Topstars. An Zuschauern kamen zu unseren Partien nie mehr als ein knappes Dutzend (die jeweiligen Freundinnen, die uns unverdrossen anfeuerten), bei widrigen Wetterverhältnissen herrschte am Spielfeldrand meist gähnende Leere. Den "Roar" von 50.000 entfesselten Fans haben wir nie erlebt. Und natürlich standen wir, was das Finanzielle betraf, ganz woanders als die Herren von Real Madrid oder Bayern München.

Diese verdienten damals, wir sprechen von den Achtziger und Neunziger Jahren, zwar weit weniger als ihre heutigen Kollegen -, aber es war doch ausreichend gesorgt für sie. Wir hingegen erhielten für unser ambitioniertes Tun nicht nur keinen Groschen, sondern mussten selbst für Platzmiete und die Dienste von Schiedsrichtern aufkommen, deren Leistungen oft den unsrigen hinterherhinkten.

Spaß hat es trotzdem gemacht. Auch wenn wir uns manchmal kurz vor Spielbeginn erst zu zehnt in der Kabine fanden und unser Kapitän ins Büro des Platzwarts lief, um von dort - es war die Vor-Handy-Zeit - telefonisch Verstärkung anzufordern; auch wenn wir uns auf der roten Tenniserde, die viele unserer Spielstätten bedeckte, regelmäßig böse Abschürfungen zuzogen, und auch wenn wir einmal, auswärts in Niederösterreich, anstatt der Duschen ein paar Kübel mit kaltem Wasser vorfanden, um uns im Freien zu waschen. Es war November, wenn ich mich richtig erinnere.

Nach dem Abpfiff ging’s, egal wie das Match geendet hatte, auf ein paar Biere in die Sportkantine oder in ein nahegelegenes Wirtshaus. Dort wurde Bilanz gezogen ("Die hätten wir eigentlich schlagen müssen"), konstruktive Kritik geübt ("Kannst nicht irgendwann deinen Stürmer besser decken?") und über das nächste Spiel sinniert ("Die müssten wir eigentlich schlagen").

Heute, ein paar Jahrzehnte später, ist es mit dem aktiven Fußball bei mir längst vorbei. Boule ist natürlich kein Ersatz, aber auch sehr unterhaltsam. Dazu weit weniger gefährlich: Die Spieler der anderen Mannschaft treten einem nicht gegen das Schienbein. Und viel geruhsamer: Man hat Zeit zum Überlegen, wie und wo man die eigene Kugel platziert, und nach einem gelungenen Wurf applaudieren oft auch die "Gegner".

Ganz anders übrigens als beim Torjubel in einem Match der Champions League: Spieler, die mit aggressiv verzerrten Gesichtern aufeinander losstürmen, Trainer, die mit bitterböser Miene die Faust in den Nachthimmel recken. Und trotzdem werde ich mir Liverpool, Villareal und all die anderen weiterhin ansehen.