Nur wenigen wird die Ehre zuteil, ein geflügeltes Wort kreiert zu haben. Willi Resetarits ist dies zusammen mit Günter Brödl, dem Erfinder der Kunstfigur Dr. Kurt Ostbahn, alias Ostbahn-Kurti, gelungen. Das Lied "I wüs goa ned wissen" erzählt von einem Mann, der mit der Untreue seiner Frau konfrontiert wird: "I wüs goa ned wissn, / ned so genau, / i waaß mehr ois guad is / wann i da in d’ Augn schau."

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Zumindest bei mir und meinen Freunden ist es so: Wenn in einer Runde aus welchem Grund auch immer die Worte fallen: "I wüs goa ned wissn . . .", dann ergänzt ganz sicher jemand: ". . . ned so genau."

Die Texte des Günter Brödl waren aus dem Leben gegriffen, und Willi Resetarits interpretierte sie so, als ob er in Wien zur Welt gekommen wäre. In der Tat kam der Kroatisch sprechende Burgenländer erst als Dreijähriger in die Bundeshauptstadt und freundete sich auf dem Fußballplatz des SC Ostbahn XI, also in Simmering, mit dem Wienerischen so richtig an.

Diese Sprachkenntnisse konnte er später in den Cover-Versionen US-amerikanischer Songs verwerten. Viele seiner Interpretationen könnte man in ein Lehrbuch des Wienerischen aufnehmen. Sie enthalten urtümliche Ausdrücke, die vielleicht eines Tages aussterben werden. Das Lied "De Kombinesch von da Loren" zum Beispiel enthält die Feststellung, dass "Rebhendlhaxln und Spatznwadln" passé sind; in "Host recht" gibt er einem kleinen Fratz den unernsten Ratschlag, so weiterzumachen wie bisher: "Geh statt in d’ Schui / hamlich in Pråter, / vasetz in Firmungsbroda von dein Voda." Broda oder Brater ist ein Spottname für eine Uhr: nach den alten Bratenbratern mit ihren großen Kesseln und Bratenwendern, die durch eine Art Uhrwerk in Bewegung gehalten wurden.

Aber nicht nur aus dem Bereich der Lexik könnte man ein Mundart-Lehrbuch füllen. Willi Resetarits demonstrierte auch, dass der Konjunktiv im Wienerischen beliebter ist als in der Standardsprache: "Wann ane kamat und mi frogat / ob bei mia a Plotz frei waa’ / I miaßt sogn: I sitz do allaa, oba es is reserviert fia zwa." Im Standard wäre das: "Wenn eine käme und mich fragte . . ." Bei "fragen" und bei den anderen schwachen Zeitwörtern fällt in der Standardsprache der Konjunktiv mit dem ungeliebten Präteritum zusammen. Die Dialektform "frogat" vermeidet hingegen dieses Schlamassel.

Willi Resetarits hat zwar eine Kunstfigur verkörpert, aber seine Sprache war nie gekünstelt. So wie er sang, so redete er auch privat - und natürlich auch in seiner Sendereihe "Trost und Rat von und mit Dr. Kurt Ostbahn" auf Radio Wien, unterstützt von "Klosterfrau Melissengeist". Im ORF rätselt man bis heute, ob das Sponsoring der Schweizer Firma mit Hauptsitz in Köln nicht auf eine Fehlinterpretation des Sendungstitels zurückging.

Zum Abschluss ein letztes Beispiel aus dem Bereich der Grammatik, ebenfalls didaktisch wertvoll: Der Plural von "Engel" hat im Wienerischen ein -n! "I hob 57 Engeln, / de wos schaun auf mi. / I hob 57 Engeln, / es frogts eich, wiaso so vü?/ I sog, 57 Engeln, / des kummt bei mia grod hi‘."

Am vergangenen Sonntag hat es wohl einer dieser 57 Engel verabsäumt, auf den Willi zu schauen.