In Zeiten, in denen einerseits die lustigsten Besucher der Wirtschaftskammer Österreich (Stichwort "Diktatur, aber gute Diktatur!") Nachbarländer überfallen und andererseits Menschen, die einem das Herz erwärmt, das Hirn erhellt und den Wetterbericht vorgesungen haben, tödlich die Treppen ’runterfallen, möchte man eigentlich nur noch weg.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28. Mai um 12 Uhr feiert er zehn Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28. Mai um 12 Uhr feiert er zehn Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.

Weit, weit weg. Die Pandemie wurde für beendet erklärt, der Winter ist auch vorbei, der Hund kommt mit (der passt auf die Kinder auf), also was soll’s, los geht’s. Rein in den Flieger und ab nach... - woanders.

Wobei das "wo" von woanders nicht so wichtig ist. Es muss vor allem anders sein. Meerblick vom Zimmer aus, Fisch und Gemüse zum Essen, Einparteiendiktatur, Waldbrände... Gut, die haben wir mittlerweile auch.

Aber wenigstens anders reden sollten die Leute. In Kroatien etwa, in Tunesien oder in der Türkei, da reden die ganz anders als wir. Aber ganz ähnlich wie am Naschmarkt, Ottakring oder auf der Donauinsel. Aber wenn "die" bei "uns" sind, ist das, was "die" reden, politisch bedrohlich, kulturell belagernd und tendenziell unangenehm. Wenn "wir" aber bei "denen" sind, ist dieselbe Sprache kulturell pittoresk, lingual interessant und akustisch so anregend. Außerdem schmeckt der Wein dazu gleich viel besser. Also, worauf warten wir noch? Buchen!

Aber halt... War da nicht was mit Klimawandel und so?

Ja, sicher, aber jetzt haben wir schon zwei Jahre pandemiebedingt voll brav unser CO2-Konto geschont, jetzt können wir doch wieder in den Untergangsüberziehungsrahmen reingreifen, oder? Bali braucht mich. Ohne mi ist Antalya allanich. Und auch die Dom.-Rep. schreit: "Komm Depp!"

Und wenn uns einer sagt, dass so ein Flug die effektivste Möglichkeit ist, mit seinem Geld am allermeisten CO2 in die Atmosphäre zu blasen, dann sagen wir: "Die Kinder sollen nochmal die Malediven sehen, bevor die untergehen." Und mit dem Tretboot fahren wir die Strecke sicher nicht. Und überhaupt die Kultur, die Sehenswürdigkeiten, das Essen... Ganz ehrlich, wozu hackelt man denn das ganze Jahr wie blöd, wenn nicht dafür, sich für drei Wochen in ein Land verfrachten zu lassen, von dem man nur den Flughafen und die Hotelburg sieht. Und natürlich diese eine Attraktion, die man sich zusammen mit 20.000 anderen ansieht. Und nicht zu vergessen die Toilette. Denn man hat diese "einheimische Köstlichkeit" doch nicht ganz vertragen. Aber nach fünf Tagen geht es ja wieder. Dann wühlt man sich noch einmal durch die Innenstadt. Vorbei an dem berühmten...- wie heißt das? - Keine Ahnung, aber da vorne gibt’s noch einen Schmuckstand. Und danach sitzt man wieder im Flieger zurück und weiß: Das war er jetzt, der Urlaub. Und von hier an heißt es wieder: elf Monate durchhackeln.

Und das soll Erholung sein?

Warum eigentlich nicht fremde Länder, unbekannte Gesellschaften, außerordentliche Sitten und Bräuche besuchen, die näher liegen: Vorarlberg und seine archaische Kultur der Tauschgeschäfte studieren. Oder statt Rafting einmal mit dem Fahrrad unfallfrei am Gürtel entlang. Oder einfach auf den Naschmarkt, beim Italiener den Espresso kaufen, beim Türken die Blätterteigrolle gefüllt mit. . . irgendwas, und dann Augen zu. Und die U-Bahn rauscht fast wie das Mittelmeer.