Jössas, jetzt hätte ich fast den Jubeltag eines wahren Idols verpasst. Der gute Mann - ich sag’s besser gleich: Es handelt sich um eine Comicfigur - würde sich umgehend in seine Werkstatt begeben und eine Maschine erfinden, die das verhindert hätte. Einen Geburtstageerinnerungsapparat. Eventuell mit Dampf betrieben, mit purem Gehirnschmalz oder auch mit Atomkraft, jedenfalls eine wunderliche Konstruktion voll abstruser Ideen und überbordender Kreativität. Diese Apparatur hätte sich passend eingereiht in eine lange Reihe weiterer Erfindungen, darunter die Anti-Schwerkraft-Kanone, Intelligenzstrahlen, ein tragbares Loch, die Denkkappe, den Wünsch-O-Mat, eine Butterbrot-Schmier-Anlage, das Lauschrohr und den Luftroller sowie, last but not least, ein Telefon mit einem eingebauten Bügeleisen. Leitspruch: "Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!"

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Rätseln Sie noch, um wen es sich handeln könnte? Dann bitte rasch die Kopfkratzmaschine anwerfen. Im Mai vor 70 Jahren kam er das erste Mal in einem Comicheft des legendären Disney-Zeichners Carl Barks vor: Daniel Düsentrieb. Ursprünglich nur als Nebenfigur im Entenhausen Donald Ducks eingeführt, entwickelte sich der anthropomorphe Hahn rasch zu einem Liebling ihres Schöpfers. Und der Lesermassen. Der ewig hilfsbereite, bescheidene und optimistisch gestimmte Erfinder blieb auch nicht lange allein - schon 1956 stellte er sich quasi selbst ein Helferlein an die Seite. Gebastelt aus einer kaputten Lampe, gerade einmal elf Zentimeter groß und ausgestattet mit einem Megamikro-Elektronengehirn mit KIM (Künstliches Intelligenzmodul) und SPA (Spontaner Emotionsakkumulator). Seine Lieblingsfarben sind Infrarot und Ultraviolett, sein Lieblingstier ist das Glühwürmchen. Zu Helferleins Hobbies zählen extrafeine, extrakleine Erfindungen.

Ich muss gestehen, dass mich dieses roboterhafte Wesen als Kind noch mehr fasziniert hat als sein schusseliger Meister Düsentrieb. Das grazile und zugleich feinfühlige Helferlein sehnt man glatt auch als Erwachsener herbei, als eine Art Universal-Problemlöser und Begleiter im Alltagsdschungel der modernen Welt. Wohlan! In einem der vergnüglichen Online-Kompendien, die einen Überblick über die Bewohner des Donald-Duck- und Micky-Maus-Kosmos bieten, wird uns auch verraten, dass das Helferlein (im Original: "Little Helper") am liebsten Solarstrom mit Nickel-Cadmium-Aroma verspeist. Und im Schlafmodus nur 0,1 Watt verbraucht. Was für ein sympathisches Wesen. Und doch "nur" ein Roboter.

Carl Barks hat übrigens die Genesis dieses Geschöpfs und seine Emanzipation selbst so beschrieben: "Ich behandelte es zunächst wie einen kompletten Niemand; nicht einmal Daniel Düsentrieb merkte, dass es da war." Bald aber entwickelt der Assistent mit dem Glühbirnen-Kopf Präsenz und Gefühle. In der Story "Blinde Wut", 1961 erschienen, ist es bereits reifer als sein Erfinder. Eine Allegorie auf die Zukunft?

Wie auch immer: Im "Lustigen Taschenbuch No. 558" - aktuell an jedem Kiosk erhältlich - spielen Daniel Düsentrieb und hoffentlich auch sein Helferlein wieder eine wichtige Rolle. Ich lauf dann einmal los, um mir den Band zu holen.