Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Haben Sie auch schon einmal etwas Verrücktes gemacht, um das andere, das eigene oder jedenfalls das Geschlecht Ihrer Wahl auf sich aufmerksam zu machen? Ich nicht, aber es soll Dichter geben, die rein deshalb zu schreiben begannen - von Aktmalern oder Gitarristen, den einschlägig bekannten Schlawinern unter den Musikern, einmal ganz abgesehen. Nicht zuletzt ein Blick in die verrückte Welt der Tiere macht sicher, dass Sie mit Ihren Hintergedanken nicht allein sind.

Vor einiger Zeit etwa war an dieser Stelle bereits vom Einlappenkotinga die Rede. Der in Südamerika beheimatete Piepmatz meint es mit seinem Paarungsruf zwar sicherlich gut. Die rund 125 Dezibel, die das Vogelweibchen dabei aus nächster Nähe ertragen muss, bringen dem spitzen Schreihals allerdings nicht gerade den Ruf eines Gentlebirds ein.

Aktuell wiederum steht der australische Leierschwanz im Zentrum des Interesses. Eine Forschungsgruppe der Western Sydney University hat sich in den komplexen Gesang des Vogels vertieft und festgestellt, dass "jede Population eine charakteristische Liedsequenz hat, bei der ein einzelnes Männchen während der Brutzeit viele Male dieselbe Liedsequenz mit nur geringfügigen Abweichungen singt" - wobei die Tiere "ihre Mimikry benutzen, um lange, komplexe Lieder zu ‚komponieren‘ - alles in dem Bemühen, ihren weiblichen Zuhörerinnen zu gefallen".

Ob der von der Gruppenleiterin getroffene Vergleich mit einem "Hip-Hop-Künstler" treffend ist oder hinkt, ist hingegen noch zu klären. Selbst wenn MC Leierschwanz etwa für einen Rapper aus dem härtesten Ghetto der Welt (es liegt bekanntlich im hessischen Offenbach) auf jeden Fall ein sehr guter Künstlername wäre.

Als Tier gewordener Sampler ist der Leierschwanz hingegen spätestens seit einem Naturfilm von Sir David Attenborough bekannt. Von diesem lernte man etwa, dass unser gefiederter Freund nicht nur die Laute von rund zwanzig Vogelarten perfekt nachahmen kann - "Wus sull dus?" (Hans Krankl): Man könnte gewissermaßen vom Alex Kristan unter den Vögeln sprechen. Vor allem begeistert und irritiert das auch von bis zu einem halben Meter langen Federn charakterisierte Tier als Imitator diverser nicht animalischer Geräusche. In der erwähnten Dokumentation beispielsweise gab der Leierschwanz zwei verschiedene Kameraauslöser, einen Autoalarm sowie diverse von Forstarbeiten abgehörte Soundscapes zum Besten. Baum fällt? Nein, Vogel singt!

Warum Frau Leierschwanz nun ausgerechnet darauf abfahren soll, dass ein damischer Vogel vorgibt, eine Motorsäge zu sein, ist unbekannt. Allerdings stellt sich eine ähnliche Frage bei Gitarrensolos mitunter ja auch.