"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns", so sprach einst der US-Präsident George W. Bush am Beginn des "Kriegs gegen den Terror". Und das ist logisch, denn so ist der Krieg eben. Die Logik des Kriegs ist das Hü oder Hott, das entweder oder, das Oasch oder Goder. Schwarz-Weiß regiert, Grautöne werden von beiden Seiten bekämpft, alle abweichenden Varianten verworfen. Schieß oder ergib Dich, das sind die Möglichkeiten, die der Krieg dem Menschen lässt. Gewalt oder Unterwerfung, mehr kann man sich im Krieg nicht vorstellen. Und das ist ebenfalls logisch, schließlich ist Gewalt die Fantasie der Fantasielosen.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28.5. um 12 Uhr feiert er 10 Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 28.5. um 12 Uhr feiert er 10 Jahre "Glossenhauer" bei einer Matinee in der Bar&Co Drachengasse.

Umso erstaunlicher, wenn jetzt diese Logik bei Menschen angekommen ist, die sich als Künstler, Schriftsteller, Intellektuelle, Kabarettisten oder Schauspieler bezeichnen. Denn plötzlich gibt es nur mehr zwei Möglichkeiten: Bist Du für den einen Brief? Oder für den anderen? Bist Du bei den Guten, die für den Frieden sind? Oder bei den Guten, die die Freiheit verteidigen? Entscheide Dich! Sag mir, wo Du stehst!

Aber das ist nicht neu. Haben wir schon die letzten zwei Jahre geübt: Mit oder ohne Maske? Mit oder ohne Impfung? Mit oder ohne Klopapier? Und davor: Sind Flüchtende aus Syrien und Afghanistan Feinde oder Fachkräfte? Ist der Islam zum Fürchten oder zu verändern? Kann man ohne Fleisch und Auto leben oder ist dann alles sinnlos? Ist das Binnen-I eine Notwendigkeit oder der Untergang? Entweder oder.

Gegenfrage: Wie lange führen wir eigentlich schon Krieg? Und gegen wen?

Aber halt: "Wir" sind ja gar nicht im Krieg. Und die "Debatte" läuft ja auch draußen im fernen Germanien. Und überhaupt: Was soll dieses ständige Fragenstellen? Dieses Herumlavieren des Autors. Ich möchte jetzt mal endlich eine klare Haltung, an die ich mich anschließen kann. Oder sie massiv ablehnen. Irgendeinen Meinungswiderhaken, an den ich meine Emotionen hängen kann. Ja, damit ich mich dann besser fühle, weil ich entweder auf der richtigen Seite stehe und somit einer von den Guten bin, oder das Böse bekämpft habe, womit ich auch einer von den Guten bin.

Ich will gut sein und meine Verwirrung, meine Angst, meine Unsicherheit niederbügeln mit moralisch-korrekter Orientierung. Ich brauch das, damit ich wenigstens für einen Moment die Illusion habe, dass ich mich auskenn’. Also gebt mir einen klaren Gedanken, eine starke Meinung, eine Mauer aus Haltungsbeton, damit ich mir daran den Schädel einschlagen kann, bis ich vor lauter Kopfweh nicht mehr denken muss, sondern nur noch fühlen kann. Und zwar mich gut fühlen.

Also los, Du Autor, spuck’s aus! Sonst bist Du ja auch nicht so schmähstaad.

Ja, würde ich gerne. Aber vielleicht sollte man zuerst mal die fragen, die nicht am Schreibtisch in - mit russischen Gas - geheizten Wohnungen sitzen, mit ihren Feindbildern im Wohnzimmer Tango tanzen und sehr betroffen sind, sondern die, die es tatsächlich betrifft: Die Ukrainerinnen und Ukrainer. Wie sehen die das eigentlich?

Tja, die haben leider keine Zeit für diese Diskussionen. Denn die müssen entweder kämpfen oder fliehen. Auch das ist die Logik des Krieges.