Egal ob Starmania, Voice Kids oder das alljährliche europaweite Spektakel des Eurovision Song Contest, der medial inszenierte Wettstreit mehr oder minder begabter Interpreten erlebt derzeit einen regelrechten Boom, wobei neben der gesanglichen Leistung auch das Outfit und der Auftritt der Kandidaten eine wichtige Rolle spielen.

Viel beachtete Gesangsauftritte unter Wettkampfbedingungen gab es schon im alten Griechenland, wenngleich unter gänzlich anderen Vorzeichen: Im Rahmen großer Stadtfeste wurden damals Lieder zu Ehren unterschiedlicher Gottheiten dargebracht, wobei die Künstler in Konkurrenz zueinander traten - und das nicht nur als Solisten, sondern noch häufiger als Tanzgruppen und Chöre.

In Athen etwa wurden jedes Jahr die Großen Dionysien gefeiert, ein mehrtägiges Spektakel zu Ehren des Gottes des Weines und der Verwandlung, bei dem nicht nur Komödien und Tragödien zur Aufführung kamen, sondern auch eine ganz spezielle Form des Chorgesangs, der sogenannte
Dithyrambos, im Zentrum stand.

Diese Liedform war eigens für den Kult des Dionysos geschaffen worden, wobei zehn Gruppen von jeweils 50 Knaben und Männern hintereinander auftraten und von einer Jury bewertet wurden. Diese Chöre wurden aus Vertretern der zehn attischen Phylen gebildet, politisch-administrative Einheiten, die einst der Reformer Kleisthenes geschaffen hatte und die eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben Athens spielten. So kämpften die Phylengenossen in gemeinsamen Regimentern des Bürgerheeres und saßen auch in politischen Gremien Seite an Seite.

Die politisch Verantwortlichen versuchten daher von Anfang an, den Zusammenhalt innerhalb der Phylen zu stärken. Gemeinsame Aktivitäten wie eben die Vorbereitungen für die Dithyrambenwettkämpfe und das gemeinschaftliche Mitfiebern am Wettkampftag boten sich dafür an. Die Vertreter der vermögenden Oberschicht traten als Finanziers der aufwendigen Kleidung der Chorsänger und ihrer Ausbildung in Erscheinung und durften sich im Falle eines Sieges durch die Errichtung eines Siegesmonuments verewigen.

Diese Choregen genannten Männer erhielten nämlich einen vergoldeten Dreifuß als Siegespreis, mit der Auflage, diesen an einem öffentlichen Platz innerhalb der Stadt aufzustellen. Im alten Athen gab es eine eigene Straße, die von derartigen Monumenten gesäumt wurde. Noch heute kann man bei einem Besuch der Altstadt Athens das Denkmal des Lysikrates bewundern, eines Choregen, der im Jahr 335/334 v. Chr. Patron eines siegreichen Knabenchors gewesen war.