Ein internationaler Kontakt der Firma fragt mich, ob wir unsere Kommunikation freundlicherweise eventuell von E-Mail auf das Texten über WhatsApp verlegen könnten. Das würde den Kontakt wesentlich vereinfachen, schreibt er, unsere Zusammenarbeit könnte deutlich unkomplizierter werden und überhaupt um einiges schneller verlaufen. In der Firma bricht darob allgemeine Heiterkeit aus. Der internationale Kontakt ist ein junger Mann aus einer asiatischen Großstadt. Ich bin ein älterer Mann aus Wien. Zwischen uns liegt das moderne Leben. Also nicht gerade wenig.
Manchmal meine ich, dass meine Finger einfach nicht dafür gebaut sind, um Textnachrichten über WhatsApp zu schreiben. Irgendwie geht es mir dabei wie einem leidenschaftlichen Toto-Fußballwetten-Spieler ohne Kontakt zum Göttlichen. Ständig tippe ich daneben. Und wenn sich dann auch noch die Autokorrektur einmischt, entstehen Texte, die möglicherweise an konkrete Poesie erinnern, sicher aber nicht an einen florierenden Geschäftsverkehr. Mein Telefon ist zum Telefonieren da. Allein daran erkennt man leicht, wie alt ich bin. Ich sage noch Telefon zum Smartphone. Hauptsächlich deshalb, weil ich daran nicht wirklich viel Smartes entdecken kann.

Warum es noch keine Fitnesscenter gibt, die Menschen wie mir Kurse anbieten, wo man Finger und Hände lockern und entspannen und geschmeidig für das Tippen auf der Smartphone-Tastatur machen kann, bleibt ein Rätsel. Marktlücke ist gar kein Wort dafür. Womöglich könnten auch Psychotherapeuten helfen. Eventuell entsteht der Tastatur-Stau nämlich gar nicht in den Knöcheln, sondern im Kopf. Das ist nicht meine Idee. Das ist eine Vorstellung, die manche Menschen in meiner beruflichen Umgebung haben.

Immer wenn ich junge Leute zum Beispiel in der U-Bahn dabei beobachte, wie sie ganze Liebesdramen in wenigen Sekunden in ihre Smartphones trommeln, bricht in mir das pure Staunen aus. Ich bräuchte einen Cyrano de Bergerac, der das für mich erledigt. Zumindest in Liebesangelegenheiten.

Wenigstens schreibe ich meine Kolumnen längst schon am Computer. Früher hatte ich eine Reiseschreibmaschine. Ein kleines, feines Teil mit Farbband, auf dem ich unterwegs allerlei Weisheiten verfasste. Besonders gerne frühmorgens im Hotelzimmer bei weit offenem Fenster. Das laute Klappern der Tastatur gab den Rhythmus vor. Die Finger machten locker mit. Einmal in Südfrankreich beim Festival in Cannes wollte mich ein deutscher Filmregisseur beim Frühstück verprügeln. Er hatte das Zimmer über mir. Damals fand ich das empörend. Heute weiß ich: Manche Vorteile hat die Zukunft vielleicht doch.