"Die armen Pferdln", sagen die Tierschützer jetzt wieder. Und ihr Minister gibt ihnen Recht. Der will die genauso weghaben, der Rauch. Aus der Stadt. Der wäre "eigentlich" gleich überhaupt für ein Verbot. Echt? Der will die Spanische Hofreitschule schließen? Die Lipizzaner endlich von ihrem Leid erlösen, zum Gaudium der Menschen herumhopsen zu müssen wie die Kängurus? Blödsinn. Die Hofreitschule steht quasi unter Denkmalschutz. Gehört zum immateriellen Kulturerbe. Um die Fiaker geht’s.

Manchen würd’s ja bereits reichen, wenn sich die Kutschen mit ihren zwei PS einfach in ruhigere Gefilde vertschüssen täten, wo sie von keinen Autos angehupt werden (dabei sind sie eine mobile verkehrsberuhigende Maßnahme; was sollte man denn stattdessen nehmen? Kinderwagerln?) und wo sich die Zugtiere nicht auf diesem unnatürlichen Asphalt die Gelenke ruinieren. (Na und? Andere müssen auch hackeln. Das Leben ist kein Ponyhof!) Und wohin sollen sie? Am besten dorthin, wo kein Tourist sie je findet, damit sich die Sache irgendwann von selber erledigt. Äh, schon einmal was von einem Shuttlebus gehört? Kann doch kein Problem sein, die Fahrgäste zu ihren Nostalgiegefährten hinzukarren.

Hm. Wenn die Viecher wenigstens Strom fressen würden wie die E-Scooter. Wären sie zumindest öko. Der Bürgermeister würde sie jedenfalls vermissen. Die würden nämlich zum Stadtbild gehören. Die Unesco ist da freilich nicht sehr hilfreich. Die könnte zum Beispiel drohen, dass Wien ohne Fiaker den Weltkulturerbestatus verliert. Schließlich wäre das wie Venedig ohne Gondeln (Letztere sind die dortigen Fiaker). Okay, die Kutscher könnten einen AMS-Kurs machen: "Wie bewerbe ich mich richtig als Rikscha-Wallah?" Oder Gondoliere werden. Auf dem Riesenrad? Nein, auf dem Donaukanal Grande. Oder wie wär’s mit einer Dritte-Mann-Gondelfahrt in der Kanalisation? Die Pferde müssten sich halt ebenfalls umschulen lassen. Zum Leberkäse. Weil zum Fahrrad fehlen ihnen eindeutig Talent und Pedale. Moment: Werden Gondeln nicht aus Bäumen gemacht? Also lieber nix mit Gondeln. (Der arme Wald!)

Hunde gehören in der Stadt eh verboten. Eine Leine, geht’s noch? Und diese Bruthitze im Sommer. Ab 30 Grad sollten die sowieso nimmer Gassi gehen dürfen. Dafür bekommen die Herrln und Frauerln eine Förderung für die Aufstellung eines Gackerlsackerlspenders im klimatisierten Wohnzimmer. Katzen haben sogar Hausarrest, bitte. Werden als Schmusesklavinnen gehalten. Andererseits: Das ist der Deal. Flauschig sein gegen Kost und Logis. Und als ob man hier Kinder artgerecht halten könnte. Die müssen draußen in traurigen, mit Spaßgeräten möblierten Gehegen spielen. Hab ich soeben Kinder mit Hunden und Katzen verglichen? Anscheinend. Und die Bäume sollen genauso total gestresst sein. In ihren viel zu kleinen Einzelzellen neben der Straße. Und weil sie ständig angepinkelt werden. Man müsste sie alle fällen. Zu ihrem eigenen Wohl. Und wenn das den "urbanen Hitzeinsel-Effekt" verstärkt? Geht man eben in den Schanigarten auf ein kühles Bier. Und wenn die Kellnerin, die sich mit den Krügeln abschleppt wie ein Kutschpferd, hitzefrei kriegt? Sehr witzig. Im Grunde ist die Stadt ein lebensfeindlicher Ort. Für alle. Außer für die Autos. Aber seltsamerweise sollen besonders die raus.