Die Wohnung muss total verändert werden, meint meine Frau. Ein letztes Mal noch, sagt sie, weil dann sind wir eh tot. Ich kann mich gut an die vorige Veränderung der Wohnung erinnern. Blut, Schweiß, Tränen und Wutanfälle. Chaos, Hirnsausen, Dauerlärm und noch mehr Staub als sonntags in der Wüste Sahara. Das muss reichen für den Rest meiner Tage, dachte ich mir damals. Falsch gedacht.
Wenn meine Frau was meint, dann meint sie das auch. Das Schlafzimmer muss dorthin, wo vorher das Wohnzimmer gewesen ist, dafür zieht das Wohnzimmer ins Schlafzimmer um. Eine Mischung aus Feng Shui, Schicksal und Du-wirst-schon-sehen-wie-super-das-wird. Die flächendeckende Schrankwand geht auch auf Wanderung und das überdimensionale Bücherregal sowieso. Im Vorzimmer bleibt vorerst alles noch beim Alten mit einziger Ausnahme eines riesigen Einbaukastensystems, das im Detail erst definiert werden muss, aber Hauptsache riesig und Vorzimmer. Weil im Wohnzimmer ist längst kein Platz mehr für solche Spielereien. Ins Wohnzimmer gehört der neue Kamin hin. Dort wo noch der Anschluss ist. Vom alten Kamin.
Wir wohnen schon sehr lange da. Als wir noch Studenten waren und von Fensterkitt und Fingernägel beißen lebten, haben wir mit Holz und Kohle geheizt, hauptsächlich weil es günstig war und trotzdem warm. Dann sind wir modern geworden und bauten Gasleitungen und Thermostate ein. Dann passierte lange wenig. Dann kam die OMV auf eine wunderbare Geschäftsidee. Dann lernten wir Russland kennen. Und schon brauchen wir Rat vom Rauchfangkehrer.
Es wird also auch ein politischer Umbau werden. Wo wir das Holz zum Heizen lagern wollen, wissen wir noch nicht. Im Haus hat sich viel verändert seit den Tagen von Fensterkitt und Fingernägeln. Das Holz ist ein Haken im Plan. Und die vielen Einkaufssackerl auch. Meine Frau kann kein Sackerl wegwerfen. Vor allem keines, auf dem das Logo einer Luxusfirma steht. Die Sackerl-Sammlung wird im sogenannten Wubel-Zimmer aufbewahrt. Der Wubel ist bei uns alles, was sich neben den Sackerln sonst noch angesammelt hat. Im Wubel-Zimmer passiert nichts, außer das man immer wieder mal was sucht und sowieso nicht findet. Der Wubel soll der totalen Veränderung zum Opfer fallen. Da kommt jetzt das Lesezimmer hin, meint meine Frau. Nur für das Holz hat sie noch keine Lösung. Und die Sackerl machen sowieso Kopfzerbrechen.