Der Tag naht, an dem man keine Auto-Storys mehr in Zeitungen lesen wird können. Nun ist die "Wiener Zeitung" eh nicht bekannt für ihre ausführliche Motor-Berichterstattung (meine gelegentlichen Anwandlungen in diese Richtung firmieren wohl unter Hobbyismus), ich rede von Printmedien generell. Und gewiss werden auch im Fernsehen Automobile nicht mehr so mir-nichts-dir-nichts durch das Bild rollen. Selbst wenn es sich demonstrativ um elektrifizierte Exemplare der Spezies handelt.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Sie halten das für verstiegen? Nun: Motorjournalismus kommt rasant aus der Mode, bisweilen erscheint er mir schon regelrecht verpönt (zumindest in seiner weithin unkritischen PR-Variante). Auf jeden Fall ist das Metier längst ideologisch aufgeladen bis zum Anschlag. Ich merke das, wenn ich mit Menschen diskutiere, die sich als Autogegner ("Zumindest in der Stadt!") oder gar Autohasser deklarieren. Man muss dabei nicht so weit gehen wie junge Aktivisten, die sich zur Hauptverkehrszeit auf Fahrbahnen festkleben oder - mit aggressiv-pädagogischen Begleitworten auf Flugblättern - Reifen die Luft auslassen (oder Schlimmeres).

Die Zeiten sind danach, ob uns das gefällt oder nicht. Ein nicht kleiner, stetig wachsender Teil der Bevölkerung will den motorisierten Individualverkehr ("Fossiler Wahnsinn!") loswerden. Er ortet eine systematische Benachteiligung von Fußgängern, Fahrradfahrerinnen und spielenden Kindern. Mit dem Argument latenter Behinderung der Schwächeren z. B. durch überdimensionierte SUVs soll bald das Schrägparken verboten werden. Ein dräuendes Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen wird mit der Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine begründet. Und natürlich mit dem Umweltschutz. Der aktuelle Konflikt um die Stadtstraße in Wien-Aspern und die Untertunnelung der Lobau ist ein weiterer Stein im Puzzle. Worum es wirklich geht, ist das schrittweise Verleiden des automobilen Status Quo.

"Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben." hat der Science Fiction-Autor Philip K. Dick einmal postuliert. Insofern wird das trotzige Wegdenken des Autos aus unserem Leben eventuell mehr Probleme zeitigen als lösen. Zumindest kurzfristig. Nur wenn wir uns ein Wirtschaftssystem herbeihalluzinieren, das kaum mehr Warenverkehr kennt (oder zumindest keinen, der nicht mit dem Lastenfahrrad bewältigbar wäre), keine Pendler, Transportrouten, Nutzfahrzeuge und individuellen Mobilitätsbedürfnisse, wird eine radikale Zeitenwende Gestalt annehmen. Die Konsequenzen und Verwerfungen dieses Modells aber werden auch nicht Liliputbahn fahren. Und leider ist zu befürchten, dass es bis zum endgültigen Um- oder Ausstieg in Utopia einmal mehr nicht ohne hässliche Bilder abgehen wird. Die Videos von enervierten Autofahrern, die Selbstjustiz üben und blockierende Demonstranten kurzerhand von der Straße zerren, sind ein erster Vorgeschmack.

Die Gesellschaft und ihre Exekutivorgane sollten jetzt nicht den Fehler machen, zivilen Ungehorsam einer "Letzten Generation" wider das Aussterben ("Extinction Rebellion") zur lästigen Bagatelle zu erklären. Oder sich auf Justament-Positionen festzukleben, die längst unhaltbar sind.