Wien ist – wieder einmal – zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden. Zu Recht. Denn nicht nur Hunderln und Katzerln und Tauberln fühlen sich hier zuhause, sondern auch Menscherln. Ganz unterschiedliche. Aus aller Welt.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Aber auch aus Salzburg. Und Salzburg ist nicht das Gegenteil von Welt, nein, es fühlt sich nur da und dort so an.Und vielleicht auch deshalb kommen diese Salzburger dann irgendwann nach Wien zum Studieren. Und dann bauen sie ein Radio auf, sagen wir mal es heißt "Radio Ballaballa" oder "Radio Tagliatella" oder "Radio Barbarella" und so wie der Name ist, ist auch das Programm: Sehr einfach. Kann man machen. Klar, warum nicht.

Menschen mögen so was. Da sind Radiosender wie Leberkäse: Man will nicht wissen, was drinnen ist. Und so machen die Salzburger dann Karriere. Und dann wird in Wien ein Posten frei. Ein wichtiger. Ein Job einer Behörde, die unter anderem bestimmen soll, welches Medium wie viel Geld und nach welchen Kriterien bekommt. Also Medienförderung. Und die ist ja nicht so wichtig. In Turkmenistan. Denn dort bestimmt sowieso der ehemalige Zahnarzt vom vorigen Diktator und sein Sohn, was publiziert wird. Und das allermeiste publiziert der diktatorisch talentierte Pappenschlosser sowieso selber: Drei Bücher mindestens (pro Monat!) und obendrein veröffentlicht er zusammen mit seinem Enkel Rapmusik. Ein Stilmix, der einen von Radio Ballermanna träumen lässt. Deshalb ist in Turkmenistan Medienförderung nicht wichtig.

In Wien aber – der lebenswertesten Stadt der Welt und nebenbei Hauptstadt der demokratischen Republik Österreich – vielleicht schon. Ein bisschen. Deshalb gab es auch ein ganz klares Auswahlverfahren mit echt klaren Richtlinien, die auch möglicherweise auch geändert wurden, aber es hat ja auch eine Wirtschaftsprüfungskanzlei einen Personal-Vorschlag gemacht. Ein Vorschlag, der ihr vorher von der Kommission für das Hearing vorgeschlagen wurde. Und da waren so Leute drauf. Ich nehme an: Pegasus, Sindbad der Seefahrer, ein bescheidener, aber talentierter Leadgitarrist und der Salzburger. Und dann wurde es der Salzburger. Denn die anderen drei sind Fabelwesen. Alles super gelaufen. Alles supertransparent. Blitzsauber.

Noch sauberer geht es in Wien nur in der DSN zu. Kennen Sie nicht? Diese Behörde hieß mal BVT und war etwas in Verruf gekommen wegen Kontakten zu betrügerischen Finanzjongleuren aus Wien, die in München Karriere gemacht haben. Und wegen Russlandkontakten. Und wegen… ach, alles kann ich hier nicht aufzählen. Deshalb heißt das jetzt "Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst" (DSN) und die machen jetzt alles neu. Zum Beispiel in der Sicherheitstechnik. Ist für einen Nachrichtendienst nicht unwesentlich. Und deshalb wurden auch damit zwei Firmen beauftragt, die schon mit dem gesuchten Milliardenbetrüger zusammengearbeitet haben. Ist doch logisch, weil der ja selbst auch gute Kontakte in Geheimdienstkreise hatte. Auch in russische. Und weil man diesen alten Ballast jetzt endlich loswerden will, beauftragt man diesselben… Moment… irgendwas hab ich da nicht verstanden.

Aber so ist das manchmal in Wien. Es ist so lebenswert, dass man sich manchmal fragt: Warum eigentlich? Falsche Frage. Es muss heißen: Für wen?