In der ORF-Sendung "Kabarettgipfel" trat Nadja Maleh auf, eine Kabarettistin und Schauspielerin mit Osttiroler Abstammung mütterlicherseits und syrischen Wurzeln väterlicherseits, aber in Wien geboren und aufgewachsen. Sie imitiert mit schriller Stimme und breitem Grinsen eine Inderin: "Namasté! Namasté!(dabei führt sie die Innenhandflächen vor dem Oberkörper zusammen und wackelt fortwährend seitlich mit dem Kopf)My name is Mandala and I come from . . . India (breites Grinsen und Kopfwackeln)Uhuhu! Namasté, uhuhuhuhu! If you want to be free, come to India (breites Grinsen), if you want to get Malaria, uhuhuhu, come to India (breites Grinsen). Come to India, a country full of wisdom, full of spirituality, with very spicy food, that blasts the shit out of your body, uhuhu." Applaus.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Zwar versichern mir Indien-Kenner, dass man im Land am heiligen Fluss Ganges meist ein freundlicheres Gesicht macht als griesgrämige Wiener an der blauen Donau; aber die Sprechweise und Mimik der dargestellten Inderin ist so abstoßend, dass ich darüber nicht lachen kann.

Dann imitierte Nadja Maleh eine Araberin, genau genommen eine Frau aus Saudi-Arabien: "Mein Name ist Leila, das ist ein arabischer Name, jo, Leila, in der deutschen Übersetzung so viel wie: ,Die Zeit, wenn die Sonne den ganzen Tag gearbeitet hat und müde ist, die Blumen senken ihre Köpfchen, die Vögel fliegen in ihre Nester . . .‘, kurz: ,die Nacht‘. Wirklich? Jo! Bitte: Leila, die Nacht. Vor vielen Jahren bin ich nach Österreich gekommen, direkt nach meiner Flucht aus meiner Heimat, aus Schurkistan. Und ich liebe die österreichische Kultur, wir Orientalen wir lieben Kultur, Musik, Kino, in Saudi-Arabien haben wir im Kino sogar den Film ,Thelma & Louise‘ gezeigt, bravo! So fortschrittlich! Ein Film mit zwei westlichen Hauptdarstellerinnen, bravo! Der Film war sogar Gewinner des Kurzfilmfestivals, er hat dort nur acht Minuten gedauert, weil alle Szenen, in denen Frauen Auto fahren, herausgeschnitten wurden." Die Araberin kommt besser weg als die Inderin.

Stereotype Vorstellungen, was eine fremde Kultur ausmacht, werden plakativ präsentiert, aber nicht von einem dumpfen Europäer, sondern von zwei Repräsentantinnen dieser Kulturkreise. Wobei es die Kabarettistin mit den Fakten nicht so genau nimmt: Mandala ist in Indien kein Vorname; Mandalas werden für spirituelle Zwecke benutzt, zum Beispiel bei der Meditation; Malaria wiederum ist ein Riesenproblem in Afrika, nicht in Indien. Und in Saudi-Arabien dürfen Frauen seit 2018 mit dem Auto fahren.

Am Ende sagt die Araberin: "In meiner Familie haben wir ein Sprichwort: Alle Menschen sind Ausländer irgendwo, alle Rassisten sind Arschlöcher überall." Applaus. "Schubladen sind für Socken da, nicht für Menschen. In diesem Sinne Salam, Shalom und Tschüss."

Immerhin war jetzt der Applaus besonders laut und anhaltend. Es fragt sich nur, warum Nadja Maleh vorher das Gegenteil auf die ORF-Bühne gebracht hat.