"Was die Österreicher und die Deutschen trennt, ist die gemeinsame Sprache." Ein Satz, den jeder kennt und der höchst wahrscheinlich nicht von Karl Kraus stammt. Wahrscheinlich ist er auch gar nicht das Original, sondern nur gut geklaut. Gibt es doch auch dieses geflügelte Wort (oder soll ich sagen "saying"): "Britain and America are two nations divided by a common language." Und das ist von Oscar Wilde. Vielleicht. In seinem "Das Gespenst von Canterville" kommt zumindest eine ähnliche lautende Passage vor. Oder es ist von George Bernard Shaw. Letzterem kann aber nur das Bonmot nachgewiesen werden, dass man in Amerika und England zwar die selbe Sprache spreche, allerdings durch unterschiedliche Organe.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Kurz gesagt, die Idee, dass zwei Länder durch dieselbe Sprache getrennt sind, ist keine originär österreichische. Wieso auch? Ist doch Deutschland selbst durch die gemeinsame Sprache getrennt. Von Wien aus mag der große Nachbarstaat als ein monolithischer piefkinesischer unisono herumplärrender Block wirken, dem ist aber nicht so. Der feine badische Singsang aus dem Südwesten hat wenig gemein mit dem umlautgeschwängerten Geblöke aus Sachsen. Und wer mal Zeuge war, wie sich ein Kölner und ein Thüringer versuchen, in dem jeweils heimischen Dialekt miteinander zu verständigen, der weiß, dass die "Wiedervereinigung" sprachlich noch lange auf sich warten lässt. Aber das ist ja auch schön so. Diversität sollte sich auch lautlich ausleben können.

Nur - und das ist Bedingung - nicht auf Kosten der Verständlichkeit. In letzter Zeit treten aber im Zuge meines Medienkonsums häufig Aussprachvariationen auf, die schlicht sinnentstellend sind.

Gibt es Berichte über eine Naturkatastrophe, die über ein Dorf hereinbricht und bei der die Bevölkerung nichts anderes kann, als "datenlos zuschauen", denk ich mir: Aha, es gab keinen Handyempfang. Auch wenn beim Grenzübertritt die Menschen zur "Bass-Kontrolle" aufgefordert werden, bin ich gespannt, wie viele jetzt ihr viersaitiges Instrument vorzeigen können. Ganz zu schweigen von den zahlreichen "unbekleideten Jugendlichen", die unserer Hilfe bedürfen. So beschissen deren Situation zweifelsohne ist, sie haben schon etwas an.

Meine Bitte: Ein Haucherl mehr Aufmerksamkeit auf die Aussprache legen. Wir wollen nicht vergessen, dass "Dante" der Schöpfer der "Göttlichen Komödie" ist, die "Tante" aber wahrscheinlich nur Teil der familiären Tragödie. Und wenn wir uns demnächst "beim Griechen" treffen, dann doch nicht auf allen vieren, oder?

Apropos Urlaub: Unvergessen ist natürlich die Frage am Flughafen, ob man "Gebäck" aufgeben möchte, und die man freundlich verneint, weil man sich sicher ist, das Kipferl und das Salzstangerl ohne Problem bis zum Boarding aufgegessen zu haben.

Aber dann geht es ab - wenn er denn fliegt, der Flieger, und man sich nicht doch sehr schämt wegen des CO2-Ausstoßes - in den Urlaub.

Und dann sitzt man irgendwo in einem Restaurant am Meer und man versteht nichts, was die Leute reden. Herrlich! Bis der Nachbartisch plötzlich besetzt wird von . . . Tirolern.

Was die so reden. Unglaublich. Ganz ehrlich: Tiroler und Wiener, getrennt durch die gemeinsame Sprache. Hat schon der Andreas Hofer gesagt.