Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Zuletzt machte auf Facebook ein Meme die Runde, demzufolge ein prominenter US-Rapper seinen Künstlernamen anpassen muss - und das aus guten Gründen: Inflationsbedingt sei es nötig, dass Curtis James Jackson III, der Öffentlichkeit besser als 50 Cent bekannt, in Zukunft unter dem Pseudonym 85 Cent auftritt. Das ist im seit jeher turbokapitalistisch organisierten Popbetrieb mit all seinen "Material Girls" und den in erster Linie auf "Money, Money, Money" fokussierten Strippenziehern im Hintergrund nur konsequent.

Ob man deshalb auch diverse Songs umtexten muss - wie Aloe Blaccs "I Need A Dollar" von 2010 (heute auch eher: "I Need Two Dollars") -, bleibt trotzdem fraglich. Zumal einige Klassiker diesbezüglich auf zeitlosen Wahrheiten basieren: "You Can’t Always Get What You Want" von den Rolling Stones zum Beispiel. Oder "Can’t Buy Me Love" von den Beatles.

Eher lohnt es sich darüber nachzudenken, ob sich Hans-Christian Emmerich, beruflich als Westberliner Mauerpunk sozialisiert, auch im Zeitalter der smarten Start-up-Gründer noch Blixa Bargeld nennen würde - oder nicht doch Bitcoin Blixa. Von Johnny Cash einmal ganz abgesehen, der als Johnny Apple Pay doch gleich viel moderner klingt.

Weiterspinnen lässt sich der Gedanke aber auch in Sachen Nachhaltigkeit. Immerhin braucht es gar keinen drohenden Blackout mehr, wenn bereits saftige Strompreiserhöhungen dafür sorgen, dass man "Dancing In The Dark" von Bruce Springsteen auf einmal ganz anders hört. Was diesbezüglich von alten Rock-Dinosauriern und Starkstromverprasser-Boomern wie AC/DC zu halten ist: Bitte fragen Sie nicht mich. Fragen Sie Greta Thunberg.

Zweifelsohne sind auch die Eurythmics mit "Here Comes The Rain Again" eher schlecht gealtert. Heute setzt es zunächst lange Dürreperioden - und danach läuft ein alter Song von Bob Dylan: Mit "A Hard Rain’s a-Gonna Fall" erweist sich His Bobness (der Song wurde im Jahr 1962 geschrieben) rückwirkend noch als (Klima-)Visionär. Was man von einer gewissen irischen Band nicht wirklich behaupten kann, die sich statt #MeToo dann doch U2 genannt hat.

Warum die Scorpions mit "Wind Of Climate Change" zumindest eine historische Chance verspielt haben, ist unbekannt. Sicher ist: Die Auszeichnung für den längsten Bart der Pop- und Telekommunikationsgeschichte geht für ihren Hit "Call Me" von 1980 an Blondie. Hätte Debbie Harry stattdessen "Text me" oder "PM please!" gesungen, sie wäre heute noch heutig.

Im Internet texten grantige Hass-Avatare die Hits von Whitney Houston ("I Will Always Hate You") oder den Beach Boys ("Bad Vibrations") um, ich aber genieße jetzt meinen Urlaub und lehne mich so entspannt wie nachhaltig zurück. Bis demnächst - und in diesem Sinne: "Baby you can drive my e-car!"