Seit der Sache mit den Sonnenblumen verstecken sich die Schnecken vor mir. Auch keine Ahnung, wie die das hinkriegen. Die Sache mit den Sonnenblumen jedenfalls hat mein Verhältnis zur Natur nachhaltig beschädigt. Das seltsame Tier, das dauernd die Wiese beim Feigenbaum in eine mittlere Wüstenlandschaft verwandelt, natürlich auch. Aber die Sache mit den Sonnenblumen noch viel mehr.

Faktum ist, dass in meinem Schrebergarten Wesen leben, von denen ich keine Ahnung habe, aber sie sind trotzdem da. Die meisten davon heißen Schnecken. Die anderen heißen auch Schnecken, nur dass sie keine Schneckenhäuser haben. Und dann gibt es noch das Löchergrabviech. Wie das Löchergrabviech offiziell heißt, kann ich nicht sagen. Ich weiß ja nicht einmal, wie es ausschaut. Aber ich weiß, wie seine Löcher ausschauen. Und mein linker Knöchel weiß das seit letztem Samstag auch.

Früher dachte ich mir, nur ja kein Rasenmäherroboter, davon stirbt alles Leben auf der Wiese. Mittlerweile meine ich, etwas weniger Leben auf der Wiese wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Jedes Jahr um diese Zeit geht meine Welt im Garten unter. Wobei dieses Jahr wenigstens die Tomaten auf eine gute Ernte hoffen lassen. Die Kürbisse und die Zucchini irgendwie auch.

Tomaten, Kürbisse und Zucchini kann jeder Depp, sagt meine Frau. Das hat sie irgendwo in der Zeitung gelesen, sagt sie, wahrscheinlich in der "Vogue". Stimmt nicht, sage ich, das hast Du letztes Jahr bei mir in der "Wiener Zeitung" gelesen. Aber das hat schon damals nicht gestimmt. Zumindest nicht sehr lange. 

Italienische Feinschmecker raten mir, die Zucchini zu essen, wenn sie noch ganz klein sind. Dann schmecken sie am besten, raten sie mir. Der Rat kommt gut und sehr gelegen, weil groß werden die Zucchini sowieso nicht bei mir. Die Tomaten werden auch eher klein gegessen. Und auf den einzigen Kürbis, der was werden hätte können, ist meine Frau mit etwas Schwung und Weißwein draufgetreten. Das war’s dann mit dem Spaß im letzten Jahr. Dieses Jahr wollte ich auf Sonnenblumen setzen.

Die Schnecken hatten sehr viel Freude an dieser Idee. Nach exakt drei Nächten gab es keine Sonnenblumen mehr, dafür aber Schnecken, die vor lauter Bauchspeck kaum noch in ihre Häuser kamen. Ich habe neue Sonnenblumen gesetzt. Billigere, weil eventuell haben die Schnecken nur die teuren gern. Die billigen waren noch schneller aufgefressen. Jetzt liegt was in der Luft. Die Schnecken spüren das. Sie sind nicht mehr da. Die Sonnenblumen nur halt leider auch nicht.