Ob sie es als Regina Mallinger und Johannes Sumpich auch so weit geschafft hätten? Die Rede ist von Ina Regen und Josh., zwei der erfolgreichsten Pop(ulär)musiker Österreichs in den letzten Jahren. Und das wurden sie unter ihren Künstlernamen, die einem daher auch viel geläufiger sind als ihre Geburtsnamen. In beiden Fällen sind es, finde ich, glückliche und kreative Wahlen: im einen das geschickte Anagramm aus Regina, das mit seinem Wetterbezug eine angenehm kühlende Wirkung erzielt (nicht nur in Hitzesommern). Im anderen Fall handelt es sich (angeblich) um einen Schülerspitznamen, mittels dessen aus Johannes eben Josh. wurde (der Punkt ist vermutlich erst später hinzugekommen), der in griffiger Kürze eine gewisse Weltläufigkeit suggeriert (die der sympathische Sänger und Gitarrist freilich in manchen Liedern, wie etwa im Hit "Expresso und Tschianti", wieder kalkuliert unterläuft...).

Fraglich, ob er als Jürgen Udo Bockelmann auch so eine Karriere gemacht hätte: Udo Jürgens, hier im Jahr 1974. 
- © APA/dpa/Horst Ossinger

Fraglich, ob er als Jürgen Udo Bockelmann auch so eine Karriere gemacht hätte: Udo Jürgens, hier im Jahr 1974.

- © APA/dpa/Horst Ossinger

Im Musikgeschäft müssen eben auch Namen (nach etwas) klingen. Das ist keine neue Erkenntnis. Schon gar nicht in unserem Land. Die zwei über Jahrzehnte erfolgreichsten Sänger und Entertainer, Peter Alexander und Udo Jürgens, wären vermutlich als Peter (Alexander Ferdinand Maximilian) Neumayer und Jürgen Udo Bockelmann nicht derart nachhaltig in Erinnerung geblieben. Und Falco hätte es als Hans Hölzel wahrscheinlich auch nicht bis an die Spitze der US-Charts geschafft.

Namen erschaffen buchstäblich eine (neue) Identität. Wobei Solokünstler davon wieder schwerer loskommen, sondern mit der neuen Persona meist weitgehend verschmelzen. Bei Bands und ihren Mitgliedern ist das anders. Da ist der Bandname eine Art übergeordnete Größe, man ist fast geneigt zu sagen: eine Wesenheit, die ein eigenständiges Leben führt - und nur mit manchen ihrer Musiker, meist den Bandleadern, verbunden ist. "Zeit"-Autor Peter Kümmel hat dafür ein schönes, stimmiges Bild gefunden:"Ich hatte immer den Eindruck, große Popbands sind Fantasiekönigreiche mit eigenem Hofstaat, den Fans. Sie werden regiert von Königen" - und damit meint er im speziellen Fall (eines Interviews) Ian Anderson, den King von Jethro Tull.

Aber selbst dieser legendäre Sänger und Flötist erzählt, dass er sein Königreich jederzeit verlassen und bei Konzerten unerkannt durchs Publikum marschieren kann. Auch Mitglieder anderer überlebensgroßer Bands, wie etwa Pink Floyd, können ein vergleichsweise anonymes Alltagsleben führen. Ich glaube nicht, dass etwa Drummer Nick Mason von vielen auf der Straße erkannt würde. (Oder haben Sie, um ein aktuelleres und weniger überlebensgroßes Beispiel zu wählen, das Gesicht des Bilderbuch-Bassisten vor dem geistigen Auge?)

Bleibt zum Schluss noch der kurioseste Bandname, der mir in den letzten Monaten aufgefallen ist: So nennt sich eine finnische Gruppe Have You Ever Seen the Jane Fonda Aerobic VHS? Wie deren Musik klingt, dürfen Sie jetzt selbst imaginieren (oder erkunden).