Warum hacken immer alle auf der Regierung herum? Ich muss die jetzt wirklich verteidigen. Wir haben halt schon so viele Probleme (die Hitze, im nächsten Winter dann die Kälte, das Gas wird knapp, Brot kostet bald so viel wie Kuchen, Kuchen so viel wie Torte, wenn das Volk folglich kein Brot mehr hat, wird es in Zukunft Torte essen müssen . . .), die kann die Regierung doch überhaupt nimmer alle für uns lösen. Und sie tut eh was. Jede Menge Einmalzahlungen und Gutschriften hat sie mir versprochen. Und einen Bonus obendrein. Okay, Geld gesehen hab ich noch keines. Dabei kontrolliere ich täglich meinen Kontostand. Aber sie hätten uns schließlich auch (sie: die, die uns regieren) mit einem Gratis-Lottotipp abspeisen können. Und einem Begleitschreiben, das einem viel Glück wünscht. Das Leben ist jedenfalls derzeit echt zum Davonsaufen.

Nein, das war kein Freudscher Verschreiber. Weil wohin sollten wir laufen? Was der Karl Nehammer auf einem Parteitag der Tiroler ÖVP über die Inflation gesagt hat, war ja eigentlich gar nicht so daneben. ("Wenn wir jetzt so weitermachen, gibt’s für euch nur zwei Entscheidungen nachher: Alkohol oder Psychopharmaka.") Zumindest der Teil mit dem Alkohol. Sauf-Eskapismus ist wenigstens ein volksnaher Vorschlag. Alkohol kriegt man immerhin in jedem Supermarkt. Gut, Ballkleider kann man sich im Internet bestellen (wie den Alk übrigens ebenfalls). Dafür muss man nicht einmal die Wohnung verlassen. Streng genommen war das, was die Landeshauptfrau von Niederösterreich, die Johanna Mikl-Leitner, unlängst angeregt hat, nämlich "dass man nicht zehn Ballkleider haben muss, sondern drei", freilich als Klima-Tipp gedacht. Um CO2 einzusparen. Nicht, um mehr Euros für die Gas- und Stromrechnung zu haben. Moment: ". . . haben muss"? Heißt das, der Großteil der Österreicherinnen hat nun drei Ballkleider zu kaufen? Dürfen sich die Männer stattdessen auch drei Fracks zulegen? Gingen eventuell Fußballdressen genauso? (Die wären billiger, und die Oberteile und die Stutzen könnte ich sogar tatsächlich anziehen. Erstere im Sommer, Letztere im Winter.) Und gibt’s da eine Verordnung?

Alkohol oder Psychopharmaka - und was ist mit . . .? Ach so, ein Kanzler kann natürlich lediglich legale Drogen vorschlagen. Außerdem hat er sich wahrscheinlich sowieso bloß an seine Parteifreunde gewandt ("euch") und nicht an mich. Weil mit mir ist er per Sie. Und keine Sorge: Niemand muss seinem Hund das Futter wegessen, wenn er sich das Futter für sich selbst nicht mehr leisten kann. Oder seinen Hund essen. (Dasselbe gilt selbstverständlich für die Katze und den Kanarienvogel.) Denn zum Glück weiß Umwelt- und Energieministerin Gewessler, wie man günstiger durchkommt: "Duschen statt baden." Ist bereits angedacht, Baden bei Wien in "Duschen bei Wien" umzubenennen? Die paar Netsch für den Austausch der Ortstafeln und der Wegweiser werden wohl noch drin sein, oder? Ich wäre ja für eine 30-prozentige Luxussteuer. Auf Badezusätze und -wannen. Und im Gegenzug senkt man die Mehrwertsteuer auf Duschgel (und auf Alkohol, weil Bier ist teurer als Benzin, bitte) auf zehn Prozent. Und wenn die nächste Empfehlung lautet: "Kalt duschen"? Bleibt uns immer noch der Schnaps zum Aufwärmen. Oder wir duschen ohne Wasser. Mit Trockenshampoo.