Oft hat man sich schon in den letzten Jahren gefragt: Was will die FPÖ eigentlich? Will sie nach Russland (wo sie mit der Kreml-Partei eine aufrechte Kooperationsvereinbarung hat)? Will sie nach Ungarn (wo es ja eine Medienlandschaft gibt, die ihrem Ex-Ex-Obmann so gut gefallen hat)? Oder will sie in die USA (wo Menschen versuchen, das Parlament zu stürmen, mit deren geistigen Geschwistern in Österreich ihr derzeitiger Obmann sich gerne auf Wiens Straßen sehen lässt)?

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Alles falsch. Die FPÖ möchte eine Zeitreise machen.

So konnte man bei der Präsentation ihres Kandidaten für die Bundespräsidentschaftswahl den Slogan "Holen wir uns unser Österreich zurück" lesen. Mit "wir", "uns" und "unser" immerhin drei Personal- und Possessivpronomen bei insgesamt sechs Wörtern. 50:50, nicht schlecht, aber noch ausbaufähig. Ich warte auf das nächste Plakat: "Uns. Unser. Am Unsersten."

Woher "unser Österreich" aber zurückgeholt werden soll, wird nicht gesagt. Und doch kann es ja nur aus der Vergangenheit kommen. Aus der Zukunft geht ja selbst für Herbert "McFly" Kickl nicht. Und aus dem Ausland möchte die FPÖ ganz bestimmt nichts holen. Also von früher. Genauer gesagt: Man möchte ein Österreich aus der eigenen Kindheit zurückhaben. Deshalb spricht der FPÖ-Obmann auch zur Öffentlichkeit wie zu Kleinkindern. In ganz einfachen Bildern. Genauer gesagt: in ganz, ganz einfachen. Denn die Wiederwiederholung ist Kickls rhetorische Lieblingsfigur. Also jenes Stilmittel, das das Obmännchen ganz, ganz gerne hat.

So ist es ihm eine "ganz, ganz große Ehre", sagt Kickl. Und er ist "dem lieben Walter sehr, sehr dankbar". Weiters wäre die Regierung der EU-Kommission "viel, viel näher" als der eigenen Bevölkerung. Der amtierende Bundespräsident angeblich in "vielen, vielen" Fällen parteiisch. Selber habe man Konzepte, die "viel, viel besser" wären, weil es ja auch "viel, viel besser" ginge.

Und gerade als man glaubt, der Herherbertbert holt jetzt eine Handpuppe heraus, um die Weltlage mit den Mitteln des Kasperltheaters zu erklären, kommt er doch noch zum Präsidentschaftskandidaten: "Lieber Walter, Du bist im besten politischen Alter", reimt sich der frühere Gagschreiber Haiders in die Ohren der retardierten Zuhörerschaft und preist den Mann als "ganz, ganz starke Persönlichkeit". Begründung: "Er ist ein Musiker mit einem ganz, ganz großen Repertoire, er ist Jäger mit einem ganz, ganz lieben Hund, er ist Mitglied bei der freiheitlichen Feuerwehr." Ob er da auch einen ganz, ganz langen Schlauch hat, erfahren wir nicht, weil der Obobmann sich in einem nebulösem "und vieles, vieles mehr" verliert. Fest stehe jedenfalls, der Kandidat habe "ganz, ganz tiefen, ganz ganz intensiven, ganz ganz direkten" Kontakt mit den Bürgern.

Bilder im Kopf, zu viel Information. Aber dann spricht der Kandidat selbst. Und der gebürtige Kremser sorgt sich über Drogenhandel in seiner Heimatstadt, wo K.o.-Tropfen gang und gäbe wären, man leicht zu Drogen komme und schon 13-Jährige mit Suchtgift versorgt würden. Und man versteht: Walter Rosenkranz war beim Heurigen in Krems.

Also die Stimmen der Winzer hat er schon mal nicht. Man ist sehr, sehr überrascht und fragt sich: Was will die FPÖ eigentlich?