Gegen die grassierende Inflation musste etwas getan werden, das war dem besorgten Staatsoberhaupt klar. Und er ortete auch gleich die Hauptschuldigen dafür, dass die Menschen in seinem Land zunehmend unter steigenden Preisen zu leiden hatten: skrupellose Großhändler und Spekulanten, die sich schamlos auf Kosten der einfachen Leute bereicherten. Man schrieb das Jahr 301 n. Chr. und der alarmierte Regierungschef war der römische Kaiser Diokletian. Er und seine drei Mitregenten waren neben großen innen- und außenpolitischen Herausforderungen vor allem mit der wirtschaftlichen Situation der Bürger ihres Imperiums konfrontiert: Die hohe Inflation war in der Tat ein Grund zur Sorge, schließlich wurden dadurch vor allem die Soldaten schwer belastet, auf die sich die damaligen Machthaber in erster Linie stützten.

Der römische Kaiser Diokletian, Erfinder des Höchstpreisedikts. 
- © G.dallorto, Attribution, via Wikimedia Commons

Der römische Kaiser Diokletian, Erfinder des Höchstpreisedikts.

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Als Reaktion darauf verabschiedete Diokletian ein Edikt, das bis heute mit seinem Namen verbunden wird: Im "Diokletianischen Höchstpreisedikt" wurden in zahlreichen Kapiteln erstmals alle wichtigen Grundnahrungsmittel, Waren und Dienstleistungen nebst einem staatlich festgesetzten Höchstpreis aufgelistet. In einer wortreichen Präambel begründeten die politisch Verantwortlichen die umfassenden Maßnahmen, wobei durchaus populistisch argumentiert wurde: "Wer ist denn so hartherzig und gefühllos", dass er dem Treiben von Wucherern und Spekulanten tatenlos zusehen könne, fragten sich der Kaiser und seine Mitregenten rhetorisch und publikumswirksam. Die Strafen für Verstöße gegen das Gesetz waren drakonisch - Preisbrechern drohte im schlimmsten Fall sogar der Tod.

Aus althistorischer Sicht ist das in mehreren Versionen zumindest teilweise erhaltene Preisedikt eine Quelle von großem Wert, die es erlaubt, einen unmittelbaren Einblick in das Alltagsleben der Menschen im frühen 4. Jahrhundert zu erlangen. Als politischer Erfolg kann das Höchstpreisedikt allerdings kaum gelten: Verlierer gab es viele, allen voran die Kleinstverdiener, etwa Hirten und Tagelöhner, deren Lohn im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten überaus niedrig angesetzt wurde, was ihre Armut noch verschärfte und zu sozialen Unruhen führte.

Gleichzeitig konnte die grassierende Inflation weder langfristig noch weitreichend gestoppt werden, und selbst der Versuch umfassender Reformen des Steuersystems und Münzwesens änderte nichts an den grundsätzlichen Strukturproblemen der römischen Wirtschaft. Vielmehr entwickelte sich ein florierender Schwarzmarkt für alle Waren des täglichen Gebrauchs, ohne dass die staatliche Obrigkeit mangels entsprechender Strukturen wirksam dagegen vorgehen konnte.