Hans-Paul Nosko hat Rechts- und Staatswissenschaften studiert und lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko hat Rechts- und Staatswissenschaften studiert und lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Unlängst saß ich mit zwei deutschen Bekannten in einem Josefstädter Kaffeehaus beim Frühstück, als ein Mann von seinem Tisch aufstand und in Richtung Ausgang strebte. In angemessener Lautstärke teilte ich den beiden mit, dass es sich bei dem großgewachsenen Herrn um Klaus Maria Brandauer handelte. Sie waren hoch erfreut, hatten sie den österreichischen Mimen doch vor einiger Zeit in ihrer Heimat bei einer Lesung erlebt, wie sie mir sogleich erzählten.

Wäre ich in meiner Schulzeit einem Schauspieler im Café begegnet, hätte ich sofort den Kellner um einen Rechnungszettel und einen Kuli gebeten: Damals sammelte ich riesig gern Autogramme. Größen aus Kunst, Sport und Politik fanden so Eingang in ein kleines Notizbuch, das ich vor allem bei Theater- und Opernbesuchen bei mir führte. Traf ich zufällig auf jemand Prominenten auf der Straße, war mir jedes Stückchen Papier recht, das ich später zu Hause einklebte. Der bereits weißhaarige Paul Hörbiger setzte seinen Namenszug auf einen Fahrschein, ein Blondschopf unterschrieb mit einem Stummel, den ich gerade bei mir trug, auf der Rückseite eines Werbeprospekts: "Mit dem größten Bleistift - Elfriede Ott".

Einmal hatte ich Pech. Auf dem Graben ging, in Glockenhose und tailliertem Sakko, wie es damals Mode war, ein Herr, ein Blumensträußchen in der Hand und somit sichtlich auf dem Weg zu einem Rendezvous. "Darf ich Sie um ein Autogramm bitten, Herr Heller?", fragte ich. "Haben Sie etwas zum Schreiben?" - "Leider nein." - "Dann wird das nichts werden, ich hab auch nichts dabei." Und er entschwand eiligen Schrittes.

Als ich unserem damaligen Ski-Idol Karl Schranz auf der Straße begegnete, hatte ich mehr Glück: Ich trug mein Büchlein bei mir, da ich gerade auf dem Weg in den Musikverein war. Dort gab Friedrich Gulda ein Konzert. Nach dessen Ende stellte ich mich in der langen Schlange vor der Künstlergarderobe an, als ein Herr im dunklen Dreiteiler an uns vorbeieilen wollte. Ich streckte ihm das Notizbuch hin und sagte artig mein Sprüchlein auf, diesmal mit "Herr Bundeskanzler", worauf dieser mit seinem bekannten Bass zurückgab: "Aber ich bitte Sie: zehn Kreisky für einen Gulda!" - und signierte. Eine halbe Stunde später war der Pianist an der Reihe. Drei Autogramme an einem Tag, davon zwei ungeplant - ein Rekord, der unerreicht bleiben sollte. Ich ergatterte danach noch Unterschriften etlicher Dirigenten, Theaterschauspielerinnen und Fußballer, und nach der Matura hörte ich auf, Autogramme zu sammeln.

Mit meinen deutschen Gästen ging ich nach unserem Frühstück in den Stephansdom, zeigte ihnen die prächtige griechisch-orthodoxe Kirche und zum Abschluss das vergoldete Johann-Strauß-Denkmal im Stadtpark - fanden sie alles recht schön, aber dass sie Brandauer im Café gesehen hatten, blieb für sie der absolute Höhepunkt des Tages. Wie für mich früher ein Autogramm.