Natürlich wären wir gerne anders. Tolerant, weltoffen und großherzig. Und so sind wir auch. Wenn der Sonntag auf einen Feiertag fällt in den Sommerferien zu Weihnachten. Ansonsten sind wir eben so, wie wir sind.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Und laut einer Umfrage unter Ex-Pats sind wir vor allem eines: unfreundlich. Gut, was interessiert uns die Meinung einer privilegierten Post-Graduate-Posse, deren Vertreter in ein paar Jahren sowieso wieder woanders wohnen. In einem anderen Land, das sie dann auch wieder bewerten können wie ein Lieferservice: Zu langsam, zu teuer, zu unfreundlich.

Also könnte es einem eigentlich egal sein, nur leider ist erstens davon auszugehen, dass die ständig hierhergezogenen Menschen von woanders, die sich meist im Niedriglohnsektor verdingen müssen, die Freundlichkeit hierzulande nicht besser bewerten würden. Liegt schon daran, dass diese Immigranten sich nicht hinter schicken modischen Begriffen wie "Expats" verstecken können, sondern mit dem ethnienübergreifenden Terminus technicus "Auslända" subsumiert werden. Und das gerne laut und etwas emotionalisiert. Und zweitens gilt Österreich gar nicht als das unfreundlichste Land weltweit, sondern nur als das zweit-unfreundlichste. Nach Kuwait.

Jetzt mal ehrlich: Diese Kuwaitis sind doch einfach depperte, aufgeblasene Oaschgeigerln, die niemals so schön "schaßaugata Vollwappler" sagen können wie wir.

Und wir sind ja auch eigentlich ganz anders. Freundlich. Auch den eigenen Leuten gegenüber. Denn wenn in der S-Bahn vom Flughafen der Mann aus einem westlichen Bundesland sitzt, dann lassen wir ihn einfach. Wir sind ja nicht so.

Auch wenn wir schon nach drei Minuten alles von dem Mann wissen. Denn er telefoniert. Laut. Der ganze Waggon weiß jetzt, dass er aus den Bergen stammt. Hörbar aus einer Gegend, wo man sich auch die zartesten Liebesschwüre von der einen Seite des Tals zu der anderen zuplärrt, weil dazwischen die Presslufthämmer für den neuen Hotelkomplex rattern.

Aber ihm macht das nichts. Er ist immer gut drauf. Für ihn ist nichts kompliziert. Er sagt gerne "und dann passt das schon" und "Hauptsach alle halten zsam" und "früher hat man das ja auch nicht gebraucht". Dass es "früher" auch keine Flugzeuge gegeben hat, wie jenes, dem er gerade entstiegen ist, ficht ihn nicht an.

Apropos Fichten: Er macht sich Sorgen. Die Fichten auf "die Bergkch" sind schlecht beieinander, aber früher hat’s auch Trockenheit gegeben. Klimawandel? Hauptsach, alle halten zsam und dann passt das schon.

Und dabei legt er seine Füße auf den Sitzplatz gegenüber und trägt - das Vorurteil macht Saltos - selbstgestrickte Wollsocken. Aber keine Maske. Weil bei ihm zuhause trägt das auch keiner mehr und von die "Scheißwiener" lässt er sich nix sagen. Hauptsach, alle halten zsam.

Und der Waggon erfährt, dass er gerade in Spanien war. Und dass man die Platten einfach da auffeplacken muss. Und natürlich, dass man sich wieder sehen müsse. Und diese Zirbe müsse man unbedingt wieder... Ja, wie voll man war, keine Erinnerung mehr. Bärig. Und dann passt das scho.

Und da fragt man sich, ob man nicht auch einmal zu Menschen aus dem Inland so richtig unfreundlich sein sollte. Einerseits, um dem Klischee zu entsprechen.

Und andererseits: Wir müssen Kuwait einholen.