Viel ist schon darüber geschrieben worden, dass in den Großunternehmen des deutschen Sprachraums das Englische dominiert: Wenn nicht als Unternehmenssprache, dann wenigstens bei den Funktionsbezeichnungen. Wenn die Sekretärin zur "Office Managerin" und die Chefsekretärin zur "Assistenz der Geschäftsführung" wird, dann ist dies häufig eine immaterielle Aufwertung, die deswegen stattfindet, damit sich der Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung erspart. Man belächelt immer die Titelsucht in der staatlichen Verwaltung - in den Großkonzernen gibt es ähnliche Phänomene, gut klingende Funktionsbezeichnungen, die im Grunde genommen Worthülsen sind.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Bei anderen Wortschöpfungen kommt es sehr wohl auch zu inhaltlichen Veränderungen. Der "Facility Manager" ist mehr als ein Hausmeister, er kümmert sich auch um die Einhaltung der behördlichen Vorschriften, um die optimale Nutzung der Betriebsstätten und vieles mehr. Der Leiter der Personalabteilung wird zum HR, zum "Human Resources Manager", ebenfalls mit erweiterten Kompetenzen. Seiner früheren bürokratischen Aufgaben wurde er entledigt. Mit so banalen Tätigkeiten wie dem Ausstellen von Gehaltszetteln muss sich die Personalabteilung nicht mehr herumschlagen; wenn ein Mitarbeiter einen aktuellen Gehaltszettel braucht, ruft er diesen im firmeninternen Netz ab und druckt ihn aus. Dort sieht er auch, wie er eingestuft ist und wie viele Urlaubstage er noch hat.

Die Mitarbeiter selbst werden als "Associates", in manchen Firmen sogar als "Stakeholder" bezeichnet. Das klingt einerseits nach großer Familie und andererseits nach Miteigentümerschaft am Unternehmen. Vorbei sind die Zeiten, als es lediglich um den Gehalt laut Kollektivvertrag und um allfällige Überzahlungen ging. Nach der neuen Terminologie ist das, was früher einmal im Lohnsackerl war, eine "Compensation". Sie besteht zunächst nur aus einem Basisgehalt und einem Bonus. Wie steigt man die Gehaltsleiter empor? Nicht nur von Stufe zu Stufe gemäß Kollektivvertrag, sondern auch von "Grade" zu "Grade" - ein System, das sich die Geschäftsführung ausgedacht hat und übergestülpt wurde. Später, bei Einhaltung der vereinbarten Ziele, gibt es Optionen für den Kauf von Firmenaktien, meist nach einer mehrjährigen Wartefrist, die Arbeitnehmer sollen ja im Unternehmen bleiben, noch später von Aktien selbst. Das alles zusammen ist ein "Compensation Package".

Wie konnten sich die amerikanischen Terminologien und die damit verbundenen Strukturen bei Großkonzernen und international tätigen Unternehmen so rasch ausbreiten? Erstens über weltweit agierende Unternehmensberater und zweitens über Unternehmenssoftware-Firmen, deren Produkte für die neuen Abläufe bestens geeignet sind.

Es geht also um viel mehr als nur um neue Wörter. Der Antagonismus zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer soll aufgehoben werden. Gleichzeitig sollen die "Associates" alle internen Leit- und Richtlinien, genannt "Policies", verinnerlichen: Wir sind alle eine große Familie.