Letzten Donnerstag? 28. Juli? Haben Sie auch gefeiert? Da war "Welterschöpfungstag".

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Wer ihn nicht kennt, macht trotzdem mit. Zur Erklärung: Das ist nicht der Tag, ab dem wir keine Nachrichten mehr hören können, weil wir von der Welt, ihrem Zustand und der allgemeinen Lage erschöpft sind, sondern umgekehrt. Ab diesem Tag ist die Welt von uns erschöpft. Ab dem 28. Juli lassen wir als Spezies anschreiben. Auf Kosten der Nachgeborenen. Cooler Move, oder? Also... cool ist vielleicht das falsche Wort. "Hot shit" passt schon besser.

Nur, warum ist die Welt eigentlich erschöpft von uns nackten Prärie-Affen? Warum, fragen wir uns, während wir aus dem Flugzeug steigen, mit Sonnenmilch aus Palmöl im Gesicht, in der einen Hand den Salat mit Babycalamares, in der anderen das Smartphone, für dessen Innenleben anderswo das Grundwasser mit Chemikalien upgegradet wurde und mit dem wir ein Selfie von uns machen, welches wir in Lichtgeschwindigkeit über Server verschicken, mit deren Abwärme im nächsten Winter Wiener Neustadt geheizt werden könnte (aber wer will denn schon in Wiener Neustadt wohnen), warum nur?

Tja, ich hab auch keine Ahnung, in der Werbung, bei den Produktinformationen, beim Arzt oder Apotheker hat mir keiner was gesagt und selbständig denken tu ich nur, wenn mir ein Putin-freundlicher Nachrichtenkanal im Internet sagt, in welche Richtung.

Apropos Viktor Orban: Die Gulaschkanone aus Budapest hat ihre beste Zeit wohl auch schon hinter sich. Früher haben sich Lichtgestalten wie Kurz und Strache noch im Fernsehen gestritten, wer länger auf seinem Schoß gesessen ist, heute muss er selbst nach Wien kommen, um mit Karl "The Jaw" Nehammer zu plaudern. Ein Abstieg.

Wäre Orban ein Aktienpaket, würde man im Finanzmarkt ihn nur noch im "Special-Interest"-Markt-Segment platzieren. Also das ist wirklich nur noch was für Leute, die sich gerne im Keller zu Wagner mit eiskaltem Barack (der Schnaps ist gemeint, nicht der ehemalige US-Präsident) abreiben lassen und dabei den Unterschied zwischen "biologischem" und "kulturellem" Rassismus diskutieren. Nein, Orban abstoßen, Blut&Boden-Anteilscheine jetzt lieber in Italien kaufen.

Wer sein Geld aber gewinnbringend anlegen will, investiert in die Luftfahrt. Der stehen goldene Zeiten bevor. Natürlich nicht allen in der Branche. Aber ich würde in Firmen investieren, die Löschflugzeuge herstellen. Ein gigantischer Wachstumsmarkt. Das Seegrundstück am Neusiedler See dagegen: Abstoßen. Allein wegen der Unfallgefahr. Mit ein bisschen Pech steckt da in der Badehütte nächsten Sommer ein Löschflugzeug, das es nicht mehr rechtzeitig rauf geschafft hat.

Wer konservativ investieren will, steckt sein Geld in den Frauenfußball. Der ist im Kommen, weil Spielerinnen viel weniger Geld kriegen als ihre männlichen Kollegen, die TV-Rechte aber sprudeln. Höhere Gewinnspanne! Denn Frauenfußball ist wie die gegenderte Schokoladeweihnachtsfrau: Neue Zielgruppe, aber die Schokolade wird immer noch unter sklavenähnlichen Bedingungen hergestellt und der Konzern, der verdient, ist auch derselbe wie beim Nikolaus. Heißt beim Frauenfußball Uefa. Ja, einmal sich umschauen und schon ist man total erschöpft.