Es gibt ja die These, dass ein Autor eigentlich immer dieselbe Story schreibt, wenn auch in unzähligen Variationen. Bei mir wäre das dann die Geschichte vom Funkloch. Wer Google bemüht, kann es leicht nachlesen: Es ist ganze dreißig Jahre her, dass ich das erste Mal über Schwierigkeiten mit dem Versenden von Daten berichtet habe - das war noch in der Steinzeit des Internets. Ich hatte versucht, von einem Postamt im nördlichen Weinviertel aus ein Manuskript nach Wien zu übermitteln. Und das nicht als Eilbrief oder Fax, sondern als Datenpaket direkt aus meinem Laptop. Es war ein Ding der Unmöglichkeit.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Die Gegend, von der die Rede ist, hatte in jenen Jahren die niedrigsten Grundstückspreise Österreichs, nicht zuletzt, weil irgendjemand den Plan ventilierte, hier eine Lagerstätte für Atommüll einzurichten. Daraus wurde dann doch nichts. Das Funkloch aber blieb. Und zwar so lange, bis Menschen in Eigeninitiative Abhilfe schafften. Heute ist die Landschaft rund um das malerische Städtchen Retz versorgungstechnisch probat erschlossen, die sich hier mehr und mehr ansiedelnden Kreativen, Intellektuellen und sonstigen Großstadt-Exilanten schrieen sonst wohl Zeter und Mordio. Und auch die Weinbauern der Gegend ziehen sich ihre Wetterdaten und Marktpreise längst aus dem Netz. Der Ausbau einer Glasfaserkabel-Infrastruktur wird alle paar Jahre mal in Aussicht gestellt, passiert ist weithin noch nichts.

Ich bin trotzdem froh, gerade hier zu sein. Denn das Funkloch war einmal und kehrte nicht wieder. Das kann ich von meinem Wohnort Wien nicht berichten. Präziser: von jenem speziellen Eck in Wien-Favoriten, das mir aktuell ein neues Funkloch-Trauma beschert. Denn jedes Mal, wenn hier ein Installateur, Netzwerktechniker oder sonstiger IT-Fachmann von A1 anrückt, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Und murmelt etwas von "Pfusch", "überlasteten Knoten", "geflickten Kabeln" und sonstigen Katastrophenszenarien. Fakt ist, dass ich von den 80 Megabit pro Sekunde Datendurchsatz, für die ich seit Jahren bezahle (ich weiß schon: ein Wert, der nur im Prospekt erreicht wird), gerade mal ein Zehntel beziehe. Wenn überhaupt.

In den letzten Wochen ging fast gar nichts mehr - kein Fernsehen, kein Audio-Stream, der Aufbau von Internet-Seiten in Zeitlupengeschwindigkeit. Auch ein Hybrid-Modem, das nicht nur die Leitung anzapft, sondern auch das Mobilfunknetz, brachte keine Abhilfe. "Sie wohnen hier in einer schwierigen Gegend", bekam ich wiederholt zu hören. "Es hängen hier zu viele Leute gleichzeitig im Netz - und die Infrastruktur ist ständig überlastet. Oder gar nie zur Genüge ausgebaut worden." Wann sich das ändere? Unbekannt.

Schmeck’s! Nun kann man A1 und seinen Mitbewerbern, die ja zumeist dieselbe Infrastruktur nutzen, kaum einen Vorwurf machen. Aber all die schönen Werbebotschaften vom "Highspeed-Giganetz" und Ähnlichem darf man sich in die Haare schmieren. Hat nicht der frischgebackene zuständige Staatssekretär Abhilfe versprochen? Ja. Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mir überhaupt seinen Namen merken soll, bis der oder die Nächste die Nachfolge antritt.