Ich sollte mir schleunigst eine Schaufel besorgen. Am Samstag bringt mich der Heinz zum Baumarkt. Und hat gleich nachgefragt, was ich damit vorhätte, mit der Schaufel. Ein Loch graben, was sonst? Unten im Hof. Was ich denn verbuddeln wolle. Ich besäße doch nicht einmal einen Kanarienvogel. Und als ich wiederum den Heinz gefragt habe, ob er eine Idee hätte, wo ich einen Paravent herbekäme ("Als Sichtschutz, weißt? Die Nachbarn müssen schließlich ned olles sehen."), hat er ein bissl beunruhigt geklungen. "Jetzt krieg i Angst. Bitte sag, du hast da heimlich an Hamster gekauft und der is dir eingangen." Nein, kein Hamster. Aber die Alternative wären halt Müllsäcke, Klebeband, um diese zuzupicken (wegen der Viecher und dem Geruch), eventuell Katzenstreu (um die Feuchtigkeit zu binden) und eine ziemliche Sauerei in der Wohnung.

"Hast ned auf die Säge vergessen?" - "Wozu sollt i a Säge brauchen?" Der Heinz hat mich natürlich völlig missverstanden. Es geht nämlich um diese Verdunkelungsgefahr. Diesen Blackout, mit dem in naher Zukunft zu rechnen ist. Und damit ist nicht gemeint, dass man den Stephansdom womöglich nach 23 Uhr nimmer anstrahlt. Sondern ein tagelanger Strom- und in weiterer Folge Infrastruktur- und Versorgungsausfall. Und dann funktioniert eben auch die Klospülung nicht. Ob ich mir meinen Platz auf der Grünfläche bereits mit einem Handtuch reservieren soll? (Oder mit einer Klopapierrolle?) Der Heinz verfügt freilich über keinen begrünten Innenhof. Seiner ist asphaltiert. ("He, du könntest di mit Gackerlsackerln eindecken. Bei dir ums Eck steht eh a Gratisspender.") Die Tipps vom Klimaministerium zum Energiesparen reichen bei einem Blackout jedenfalls nimmer. So sollen wir zum Beispiel abkratzen. Also die Essensreste. Vom Teller. Mit dem Besteck. Statt vorzuspülen. Außerdem werden Essensreste ohnedies ein Luxus sein. Und das Geschirr wird man mit der Zunge abwaschen.

Und weil man sich nicht einfach eine Pizza bestellen wird können, soll sich jeder vorsorglich für zwei Wochen mit Lebensmitteln eindecken. Mit zwei Litern Wasser pro Person und Tag und mit Nudeln, Reis, Dosen. Wo, bitte, soll ich 56 Mineralwasserflaschen unterbringen? 28 für mich und 28 für meine Schwester? Heinz: "Kauf halt Eineinhalb-Liter-Flaschen. Dann sind’s nur mehr 37,3. Und die 38ste trinkst zu zwa Dritteln leer." Und womit soll ich die Nudeln überhaupt kochen? "Mit dem Campingkocher, dens d ned hast." Nein, ich meine: Mit welchem Wasser? Die zwei Liter muss ich ja trinken. Und mit meinem Urin werde ich bestimmt keine Spaghetti machen. Ach, 42 Tafeln Schokolade tun’s genauso. Die Dinger sind noch dazu schön flach. Die schieb ich schon irgendwo rein. Mit dem Lift fahr ich sowieso nimmer. Höchstens wenn ich 42 Schokoladen und 18,67 Flaschen Mineral eingesteckt habe.

Wie werden eigentlich der Heinz (zwölfter Bezirk) und ich (neunter Bezirk) miteinander kommunizieren? Weil um noch g’schwind eine Brieftaube zu dressieren, fehlt mir echt die Zeit. Und die Taube. Wir haben uns ausgemacht, uns am zweiten Tag um 13 Uhr auf dem Stephansplatz zu treffen. Ich werde meine Schaufel mitnehmen. Ich muss doch den marodierenden Kannibalen eins überbraten können. Heinz, ungläubig: "Kannibalen?" Na ja, beim Anlegen von Vorräten wird wieder auf Eigenverantwortung gesetzt, hallo?