Vom Wiener Hauptbahnhof bis nach Wien Meidling war die Zugfahrt in den Süden planmäßig und ohne weitere Probleme verlaufen. Quasi eine Visitkarte für die ÖBB. Dann kam der erste Halt und mit ihm die fünfköpfige Urlauberfamilie aus Israel. Vater, Mutter, drei Kinder vom Teenager bis gerade aus den Windeln raus. Dementsprechend viel Gepäck dabei. Hat sich noch nicht bis übers Mittelmeer durchgesprochen, dass die verantwortlichen Planstellen bei den Österreichischen Bundesbahnen grundsätzlich davon ausgehen, dass die Menschen kaum Gepäck mitnehmen, wenn es sie in die Ferne zieht. Die Koffer der Israelis sorgten für Aufsehen im Gang. Ständig musste wer darübersteigen. Was nicht weiter störte, solange der Zug im Bahnhof blieb. Der Zug blieb im Bahnhof. Zuerst. Und dann noch etwas länger.
Stimmung kam auf, als eine sichtlich gereizte Lautsprecherstimme im schönsten Kärntnerisch erklärte, dass olle ohne Sizplozresavirung den Zug sufurt valossn solln. Die Israelis gingen darauf nicht weiter ein. Wir waren mit dem Gepäck beschäftigt. Der Vater klein, drahtig und muskulös. Ich groß und na ja zumindest groß. Zu zweit brachten wir die Koffer unter Kontrolle. Irgendwie haben wir sie hochgewuchtet. Wenigstens die Hälfte davon. Der Rest stand immer noch im Gang herum. Mit vielen, vielen Menschen. Mittlerweile hatte die Stimme aus dem Lautsprecher den Sermon von der Sizplozresavirung zum dritten Mal wiederholt. Jedesmal ein wenig gereizter. Die Durchsage auch mal auf Englisch zu versuchen am Höhepunkt der Reisesaison, am frühen Morgen von jenem Tag, da in Spielfeld das Wochenende der Formel 1 beginnt, auf diese Idee kam keiner. Dementsprechend tat sich wenig.
Die Israelis hatten eine Sizplozresavirung für alle fünf. Nur leider halt verteilt auf drei Abteile in zwei Waggons. Ob das Dummheit, Schicksal, ein überforderter Fahrkartenautomat oder einfach nur ein sadistischer Ticketverkäufer war, man weiß es nicht. Fürs Erste blieben sie bei uns. Irgendwann übersetzte ich ihnen, dass eben 25 Euro geboten wurden. Für jeden, der aussteigt und eine alternative Strecke sucht, um ans Ziel zu gelangen. Die Israelis überlegten kurz, wollten die 25 Euro dann doch nicht. Das ist eh mehr was für die Schulkinder, sagte ich. Oder für die Pendler, sagte meine Frau. Aber die Schulkinder brauchen die 25 Euro sicher dringender als die Pendler, sagte ich. Dann haben wir alles ins Englische übersetzt. Die Israelis waren sehr interessiert. So genau hatte ihnen das System noch keiner erklärt.