Zweifelsohne ist der UN-Generalsekretär ein vielbeschäftigter Mann, der vielleicht den schwierigsten Job der Welt hat. Er muss mit einem unwilligen Personal (Staatenlenker, weltweit), das von den Aufgaben, denen man sich gegenübersieht, völlig überfordert ist, ein konstruktives, herzeigbares Ergebnis erreichen (Welt lebenswert erhalten). Noch undankbarer ist nur der Job, Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft zu sein. Im Gegensatz zu Letzterem, der auch mal Kniebeugen oder Rasenmähen als Strafmaßnahme verteilen kann, bleibt dem armen Guterres aber nur das Reden. Das Appellieren. Und da hört man mittlerweile seine Verzweiflung.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Am 16.9. feiert sein neues Programm "ÜberHaltung" im Kabarett Niedermair Premiere.

Anlässlich der Vorstellung eines UNO-Reports zu den Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine bezifferte Guterres die Gewinne der größten Energiefirmen im ersten Quartal des Jahres auf zusammen genommen 100 Milliarden Dollar. Und sagte deshalb: "Ich fordere alle Regierungen auf, diese exzessiven Profite zu besteuern und die Einnahmen zur Unterstützung der verwundbarsten Menschen zu nutzen, um diese schwierigen Zeiten zu überstehen."

Dem nicht genug, stellte Guterres fest, dass der Sektor der fossilen Energie und dessen Unterstützer eine "klare Botschaft" benötigte, dass deren "Gier" die Ärmsten bestrafe und den Planeten zerstöre.

Wenn man das liest, fragt man sich: "Guterres, alter, blauer Portugieser, jetzt kommst drauf?

Eine Branche, die etwa Freunde und Kollegen des ehemaligen Geheimdienstmännchens Wladimir Putin mit vornehmsten KGB- und Mafia-Methoden in Russland übernommen haben, um mit dem da heraussprudelnden Gewinn Fake News zu verbreiten und rechtsradikale Parteien zu unterstützen, gerade so eine Branche an ihre moralische Verantwortung zu erinnern, ist in etwa so, als würde man versuchen, im Sägewerk das Holz mit scharfen Blicken zu schneiden.

Auch andere Öl-Giganten und Mineralölkonzerne und ihre Betreiber zeichnen sich seit Jahren durch Feinfühligkeit, Empathie und Verantwortungsgefühl aus. Hat doch Exxon 1989 den Prince-William-Sund in Alaska mit geschätzten 41 Millionen Liter Rohöl ausgekleidet. Was sich wie ein Fleck auf einem T-Shirt ausmacht im Gegensatz zu BP, die 2010 mit der Bohrplattform Deepwater Horizon, genauer gesagt: mit deren Explosion, die Karibik mit 800 Millionen Liter verschönert hat. Welche Mengen Rohöl in der Zwischenzeit das Nigerdelta in Nigeria zu einem unbewohnbaren Ort gemacht haben, die Atlantikküste von Brasilien eingefärbt oder das Ostchinesische Meer gut geschmiert haben, lassen wir lieber im Reich der Spekulationen.

Denn spekulieren kann man mit Öl sehr gut, fragen Sie die Damen und Herren an der Börse.

Wenn also Guterres die Ölfirmen als unmoralisch bezeichnet, müssen wir vielleicht auch unsere Sprache ändern. Wird der alte Wolfgang-Ambros-Song "Du bist wie die Öl-Pipeline, die nur an manchen Tagen leckt" umgetextet werden müssen? Auf "Wintersun" etwa, wegen der Photovoltaik? Wird der Satz "Du bist so zart wie eine Bohrinsel" kein Kompliment mehr sein? Und können wir Verlässlichkeit und Integrität nicht mehr mit dem Begriff "wie ein Öltanker im Sturm" umreißen? Das wär ja ein Eingriff in unser Privatleben! Na, dann: Schnell noch einmal volltanken.