Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Gelegenheitsbadender.

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Gelegenheitsbadender.

Es war einer dieser perfekten Tage. Ja! Endlich keine Menschen mehr. Das Freibad lag vor mir wie eine Leinwand, die erst bemalt werden musste. Die unwirtlichen Temperaturen und das fallende Laub hatten noch den letzten "Good Vibrations"-Beach-Boy davon abgehalten, schwimmen zu gehen. Keine Jugendlichen mit schlechter Musik aus billigen Boomboxen lauerten im Gras, und auch die übrigen Vorteile eines Badeausflugs am letzten Tag vor Saisonschluss lagen bald auf der Hand.

Ausnahmsweise musste ich keine kleinen Kinder von der Stiege stoßen, um schneller am Eingang der Rutsche zu sein und den Ausblick über die Stadt zu genießen. Und ich musste im Anschluss auch nicht mit ihren in der Gegend herumhelikopternden Erziehungsberechtigten diskutieren. Außer mir war ja niemand da. Mit Fullspeed ging es hinunter und gleich wieder hinauf und hinunter. Noch einmal, noch einmal! EINMAL NOCH!!

Die Warteschlange am Buffet ... Welche Warteschlange? Im Handumdrehen waren die Pommes bestellt, serviert und verputzt. Das musste ausgenutzt werden. Ich wiederholte den Vorgang zunächst mit einer Schnitzel- und dann mit einer Leberkäsesemmel. Im Anschluss ein Eis, dazwischen Spritzwein. Sättigung, du schönstes aller Gefühle! Nur schwimmen ging vorerst nicht. Zum Glück war ein Verdauungsspaziergang über die Wiese möglich, der sich nicht als der gewohnte Slalomlauf durch Handtücher und Körper gestaltete. Ein wenig fühlte ich mich wie König Charles III. als Flaneur durch die Gärten von Windsor, nur dass ich keine Lackschuhe trug und die Stadt hier auch ruhig ein paar Rosenhecken anlegen könnte, wie mir auffiel.

Im Becken zog ich meine Bahnen wie das letzte Krokodil, das nach dem Buffetausflug allerdings einem Nilpferd glich, kritisch beäugt vom ansonsten beschäftigungslosen Bademeister, dessen Gedanken, den Notarzt vorsorglich zu alarmieren, ich zu lesen verstand. Ich rächte mich mit einem Bauchfleck vom Beckenrand und diesem Blick, der bedeutet, ich weiß, wo dein Auto steht.

Zurück auf der Wiese verschlang ich Heideggers "Sein und Zeit" und schlief ein. Wie erholsam! Wie schön. Ich wurde mit einem Schlag in die Magengrube geweckt. Ein Kind war über mich gestolpert und hatte seine Pommes über mein Badetuch verstreut. Der ganze Heidegger voller Ketchup. Schweinerei! Die im Gras lauernden Teenager lachten auf. Das Bad glich einem Wimmelbild. Es hatte gefühlte 56 Grad im Halbschatten, und wo sich mein Lackschuh befinden würde, wäre ich König, waren in der Zwischenzeit offenkundig diverse Gelsen am Werk.

Es war ein Sommertraum. Doch eines wusste ich, als ich nach dreistündigem Slalom etwas am Horizont erblickte, von dem ich hoffte, dass es der Ausgang war: Der letzte Badetag der Saison kommt bestimmt! Und es wird mein Tag sein, ein Tag für mich allein.