Kommt ein Mann in die Postfiliale. Klingt wie der Anfang von einem Witz. Ist aber keiner. Kein Witz. Ist allen Ernstes so passiert. Diesmal war meine Schwester nämlich auf der Post. Um ein Paket aufzugeben. Müsste dann nicht vielmehr eine Frau in die Postfiliale kommen? Ja, eh. Auch. Die Frau kriegt jedenfalls, während sie sich anstellt, mit, wie an einem anderen Schalter ein Mann einen RSa-Brief, vermutlich mit den Klimabonus-Gutscheinen drin, abholen will (will, wohlgemerkt) und an der Bürokratie langsam verzweifelt. Bürokratie: die Herrschaft des Büros, der Schreibtische, des Papiers. Oder halt des Schalters. Eine Schalterkratie also?

Er wäre bereits gestern hier gewesen und wieder weggeschickt worden, weil auf seinem Personalausweis nur ein Vorname draufstünde, auf dem Brief allerdings obendrein sein zweiter. Drum hätte er heute außerdem noch seine Geburtsurkunde dabei. Die Schalterbeamtin blieb stur. Wollte das Dokument, das bezeugte, dass er auf der Welt war (mit zwei Vornamen), nicht einmal begutachten. Auf seinem Personalausweis fehle doch trotzdem noch immer ein zweiter Vorname. Und wenn er jetzt nicht sofort gehen würde, würde sie die Polizei rufen. Meine Schwester hat auf diese freilich nimmer gewartet, weil sie endlich drangekommen ist. (Und schon damit gerechnet hat, ihr Paket wieder mit heimnehmen zu müssen. Seltsamerweise wurde sie jedoch nicht gefragt: "Und wie haaßt dieser Otto sunst no?" - "Versand." - "Jo, oba ka zweiter Vorname?")

Tja, wie beweist man, dass man man selber ist und nicht irgendwer, der zufällig genau so heißt? Und dass man den gelben Zettel nicht aus einem Postkastl gefladert hat? He, wenn die Person hinterm Schalter sich bei der Person vor diesem einfach erkundigt hätte, wie deren zweiter Vorname denn nun lautet? Täter-, äh: Empfängerwissen, hallo? Moment: War das womöglich der Sohn von jenem Ex-Bundeskanzler, dessen Nachname der zweite Vorname von einem steirischen Salatöl ist? (Kürbis Kern Öl.) Diese Zeitung, die nach einem Tag in der Gegenwart benannt ist, obwohl die Nachrichten vom Tag davor stammen (müsste sie folglich nicht "Gestern" heißen?), die hat zumindest über einen derartigen Vorfall berichtet. "Du, Michi, woa des der Typ?" - "Na, meiner woa net glatzert. Sondern graumeliert." - "Und wenn er in der Zwischenzeit bloß beim Friseur woa?"

Zum Glück war ich nicht beim Friseur, als der Briefträger mir die Gutscheine zugestellt hat. Mein Reisepass nennt mich schließlich schlicht Claudia. Okay, ich besitze lediglich den einen Vornamen. Wozu bräuchte ich auch einen zweiten? Damit mich eine Schalterkratin häkerln kann? Dafür hat das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt et cetera bei meinem Brief auf den Magister-Titel vergessen. Den mein Pass wiederum erwähnt. Noch dazu ist der abgelaufen. Der Titel? Der Pass!

Auf der Post hätte man mir sicher nicht geglaubt, dass ich identisch mit der Claudia bin, die ich zwischen dem 1. April 2011 und dem 31. März 2021 gewesen bin. Dabei haben wir beide die gleiche Frisur. Ach, Hauptsache, die Michi hat meine Gutscheine in derselben Postfiliale problemlos in Bargeld umtauschen können, ohne dass sie wer gefragt hätte, ob das ihre sind (oder ob sie die vielleicht ihrer bettlägrigen Schwester geklaut hat). Und wer sie überhaupt wäre.